Die Leiden der zwangssterilisierten Kinder im Spezialkinderheim Meerane – oder Sommer 1981- Die unterschlagene Aufarbeitung des DDR-Sozialismus


Original ist aus dem Jahre 1985 HKH Leipzig Mezsdorf

Es kann natürlich auch sein – also ich meine: Die Zeit heilt NICHT alle Wunden, besonders nicht die die man in Kinderseelen einritzt… wie in Spezialkinderheim Meerane  unter Margot Honecker geschehen:

DDR-Spezialheime: Margot Honecker ließ dort „Problemkinder“ auf Linie drillen. Jetzt stehen Heimerzieher von damals wegen Misshandlung vor Gericht. In dem Prozess geht es um eines der düstersten Kapitel des SED-Regimes.

Von Barbara Möller

Meerane – Siegfried H. hat sich eine Geheimnummer besorgt. Er möchte auf gar keinen Fall mehr angerufen werden. Jedenfalls nicht von denen, die er seine „Verleumder“ nennt. Reden wird Siegfried H. erst wieder vor Gericht.

Kathrin L. und Falk M. sind telefonisch auch nicht mehr zu erreichen. Nur Kollege Hans-Jürgen I. macht noch den Mund auf. Allerdings nur, um zu sagen, dass er nicht vorhabe, Fragen zu beantworten. Und um verbittert hinterherzuschieben: „Ich hoffe, Ihr Interesse hält an, bis die Sache vorbei ist!“

Die Sache schwelt seit 1996. Damals erhob Mario Selzer schwere Vorwürfe gegen seine ehemaligen Erzieher im einstigen DDR-Spezialkinderheim „Erich Hartung“ im sächsischen Meerane. Er sei, so Selzer, dort als Zwölfjähriger schwer misshandelt wor-den. Schon am Aufnahmetag habe ihn eine Erzieherin getreten, seinen Kopf in ein Toi-lettenbecken gedrückt und die Wasserspülung gezogen. Selzers Bericht setzte eine Kett-enreaktion in Gang.

Andere Heimzöglinge wie Dirk Krahl und Frank Thiele meldeten sich zu Wort und erzählten von einer fünf mal fünf Meter großen vergitterten Arrestzelle im Keller. Vom berüchtigten „Entengang„, zu dem die Erzieher die Kinder und Jugendlichen gezwungen haben sollen, bis sie zusammenklappten. Von Stockschlägen in die Kniekehlen, von stun-denlangem Strammstehen. Davon, dass sie Flure mit Nagel-, und Klos mit Zahnbürsten hätten reinigen müssen.

Alles erlogen, sagen die vier Angeklagten, die sich von Montag an vor dem Leipziger Landgericht verantworten müssen. Mario, das hat Siegfried H. schon vor Jahren klar gemacht, sei ein „weicher, links gestrickter Junge“, den andere aufgestachelt hätten.
Möglich. Möglich aber auch, dass dieser Strafprozess, an dessen Ende den vier Angeklagten Freiheitsstrafen von einem bis zu fünf Jahren drohen, nur die Spitze eines letzten Eisbergs von nicht aufgearbeitetem DDR-Unrecht ist.

Denn Spezialkinderheime wie das in Meerane waren eine Erfindung von Margot Hone-cker, die als Volksbildungsministerin unter anderem dafür gesorgt hat, dass versuchte „Republikflucht“ oder vermeintliche Spionage damit bestraft wurde, dass man den Eltern ihre Kinder wegnahm und sie zur Adoption freigab. Dafür – wie für die 42 Spezialkin-derheime, die noch härteren 31 Jugendwerkhöfe und den berüchtigten „Geschlosse-nen Jugendwerkhof Torgau“ – war die Abteilung „Jugendhilfe und Heimerziehung“ zuständig. Auf der Grundlage eines Gesetzes von 1965. „In den Spezialkinderheimen“, hieß es damals „werden schwer erziehbare und straffällige Jugendliche sowie Kinder aufgenommen, deren Umerziehung in ihrer bisherigen Erziehungsumgebung trotz optimal organisierter erzieherischer Einwirkung der Gesellschaft nicht erfolgreich verlief.“
Über die Spezialkinderheime hat man zu DDR-Zeiten wenig gewusst. Aus gutem Grund. In diesen Einrichtungen versteckten die Stalinisten und Kommunisten alles, was noch nicht volljährig war und was ihnen nicht ins System passte. Beziehungsweise alles, was sich nicht ans System anpasste. Und davon gab es im Lauf der Jahre immer mehr.So viel, dass das Betreuungspersonal knapp wurde. Folge:Die stramm autoritären Konzepte, die DDR – Oberpädagoge Eberhard Mannschatz im Auftrag Margot Honeckers entwi-ckelt hatte, gingen in der Praxis nicht mehr auf, und das Ministerium hatte immer größ-ere Probleme, den Einrichtungen über die Bezirke adäquat ausgebildetes Personal zuzu-weisen. Ersatz, im Schnelldurchgang geschult, erwies sich immer häufiger als überfor-dert. In Bräunsdorf bei Chemnitz wurde Anfang der 70er-Jahre ein ehemaliger NVA-Offizier bei seinen Vorgesetzten mit der Bitte vorstellig, im Dienst seine Waffe tragen zu dürfen: Er fühle sich bedroht!
Heute weiß man, dass in Heimen wie dem in Meerane keineswegs nur verhaltens-gestörte und schwer erziehbare Kinder untergebracht wurden, sondern auch Kinder von Regimegegnern und Jugendliche, die gegen das System aufgemuckt hatten. Vorher war es ein Staatsgeheimnis gewesen. Der Staat hatte sich in doppelter Hinsicht zur Abschottung dieser Einrichtungen veranlasst gesehen. Erstens, weil er bis zu seinem Zusammenbruch abstritt, es könne überhaupt jemanden geben, der die Deut-sche Demokratische Republik nicht als Paradies auf Erden begriff. Zweitens, weil die Existenz der Spezialkinderheime als Ultima Ratio klar auf diesen Schönheitsfehler hin-wies.
1997, als sich in Meerane langsam herumsprach, was sich jahrelang hinter den Mauern des „Erich Hartung“- Heims abgespielt haben soll, hat der damalige Bür-germeister Peter Ohl eine schriftliche Ehrenerklärung für die Beschuldigten abgege-ben. Insbesondere für Hans-Jürgen I., der zum damaligen Zeitpunkt sein Stellvertreter gewesen ist. Es gebe seitens der Stadt, hat Ohl gesagt, keinerlei Handlungsbedarf:  „Im Übrigen bin ich überzeugt, dass sich die Vorwürfe als haltlos erweisen werden.“
Ohl war Allgemeinmediziner, bevor er in die Politik ging. Ins „Erich Hartung“- Haus hat man ihn auch ab und zu gerufen, allerdings in den 70er-Jahren. Frank Thiele, der älteste der neun Ex – Zöglinge, die vor Gericht aussagen werden, war von 1980 bis 1982 in Meerane untergebracht. Ohl bleibt trotzdem dabei: „Das, was ich damals geschrieben habe, gilt heute noch genauso.“
Ohls Nachfolger, Lothar Ungerer, handhabt die Sache völlig anders. Der habilitierte Politikwissenschaftler, der 1999 aus dem schwäbischen Ludwigsburg nach Meerane kam, will das Thema wissenschaftlich beleuchten und plant parallel zum Prozess, der sich bis Oktober hinziehen kann, ein Symposium. Das „Erich Hartung“-Haus, sagt der 50-Jährige, sei ein Stück Stadtgeschichte, ob einem das gefalle oder nicht.
Ungerer hat den Sozialwissenschaftler Peter Schütt von der Fachhochschule Mittweida gebeten, im Vorfeld dieses Symposiums der Frage nachzugehen, wer beim Kreis und beim Bezirk für die Zustände im Spezialkinderheim Meerane zuständig gewesen ist. Das sei, sagt Ungerer, aber nicht ganz einfach, denn es lägen sowohl Akten beim Land Sach-sen als auch bei den Landesjugendämtern.
Schütt sagt, er habe keine Zweifel, dass große Teile der Vorwürfe, die den vier Ange-klagten gemacht werden, zuträfen. Heimerzieher, meint der 60-Jährige, seien nahezu immer überfordert. Der Unterschied sei nur, dass es unter demokratischen Bedingungen möglich sei, sich gegen Willkürakte zur Wehr zu setzen.Schütt geht auch davon aus, dass in Margot Honecker´s Spezialkinderheimen mit Gewalt Politik gemacht wurde.
Das Spezialkinderheim „Erich Hartung“ heißt heute „Georg-Krause-Haus“. Der Name des Antifaschisten musste dem eines Pfarrers weichen. Das Gebäude an der Meeraner Amtsstraße leuchtet jetzt in freundlichem Gelb, Träger des Kinder- und Jugendheims ist seit dem 1. Januar 1993 der „Erziehungsverein e. V.“, ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe, Mitglied im Diakonischen Werk Sachsen.
Bei Ingolf Wachs, dem Geschäftsführer des Vereins, liegen die Nerven blank. Gerade hätten es zwei Jugendliche abgelehnt, ins „Georg-Krause-Haus“ einzuziehen. Nicht nach dem, was man darüber gehört und gelesen habe! Wachs spricht von dem finanziellen Schaden, der ihm durch die Absage entstanden sei, und beklagt, dass er zunehmend vergeblich darauf hinweise, dass man weder Rechtsnachfolger des „Erich Hartung“-Heimes sei noch in dessen „erzieherischer Tradition“ stehe. Wachs bestätigt aber auch, dass er den Angeklagten Siegried H. selbst noch beschäftigt hat: bis 1996 als Heimleiter, danach im Büro, bis 2001 Geschäftsführer des Fördervereins. Im Hinblick auf das am Montag beginnende Verfahren sagt der 45-jährige Kaufmann: „Ich hoffe, der Prozess kann zeigen, ob es um regimebezogene Interessen ging oder ob es sich um personenbezogenes Versagen handelt.“
18 Prozesstage hat die 5. Strafkammer des Leipziger Landgerichts für das Verfahren angesetzt, 50 Zeugen sollen gehört werden. Darunter Mario Selzer, der auch als Nebenkläger auftreten wird. Der inzwischen 29-Jährige, der am 4. Februar 1988 aus dem Schulunterricht in Aue geholt und nach Meerane geschafft wurde, hat mehrere Suizidversuche hinter sich. Er hat Monate in der Psychiatrie verbracht und kann, wie zu hören ist, ohne Antidepressiva nicht leben. Selzer will Genugtuung für den Satz, den Siegfried H. vor acht Jahren gesagt hat: „Der Junge ist gescheitert, und nun will er uns dafür zum Sündenbock machen.
erschienen am 10. Juni 2004 in Aus aller Welt

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14.06.04
Prozess um Misshandlungen in einem DDR-Kinderheim eingestellt

LEIPZIG, 14. Juni 2004

Nach jahrelangen Ermittlungen und juristischem Gezerre um mögliche Verjährungsfristen ging es am Ende vor dem Leipziger Landgericht ganz schnell: Nur sechs Stunden brauchten Richter, Staatsanwalt und Verteidiger, um sich am Montag in dem ersten und wohl auch einzigen Prozess gegen Erzieher eines DDR-Kinderheims auf den Abschluss des Verfahrens zu einigen.
Drei wegen Misshandlung Schutzbefohlener, Freiheitsberaubung und sexuellen Missbrauchs angeklagte frühere Pädagogen des Meeraner Spezialkinderheims „Erich Hartung“ kommen danach mit Geldbußen davon. Die zwei Männer und eine Frau müssen zwischen 3 500 und 6 000 Euro an frühere Heiminsassen und gemeinnützige Organisationen zahlen. Gegen einen vierten Angeklagten wurde das Verfahren eingestellt.
Die Angeklagten zeigten sich mit dem Ausgang des Verfahrens zufrieden, betonten jedoch, dass ihre Zustimmung zu der Einstellung kein Schuldeingeständnis sei. Den beiden Nebenklägern hingegen, zwei früheren Heiminsassen, standen Tränen in den Augen.Hier ging es nur ums Geld, aber worum es uns mit dem Prozess ging, interessiert niemanden„, sagte Thomas Köhler. Und sein Leidensgefährte von einst, Mario Selzer, sprach von „Schande“. „Als ob man mit Geld wieder gutmachen könnte, was diese Leute uns angetan haben„, sagte er.
Die am Montagmorgen verlesene Anklageschrift ließ noch einmal die erschütternden Leiden auferstehen, denen die in dem Meeraner Heim untergebrachten „schwer erziehbaren“ Kinder und Jugendlichen ausgesetzt waren. Kinder, die ungezogen waren, mussten Liegestütze und Kniebeuge machen, wurden im Entengang über den Heimflur und durchs Treppenhaus gejagt. Besonders renitente Insassen wurden gezwungen, stundenlang stillzustehen, die Arme waagerecht nach vorn gestreckt. Wackler wurden mit Stockschlägen in die Kniekehlen bestraft.
Auch sonst gehörten, wie sich Dutzende ehemaliger Heiminsassen bei ihren Zeugenvernehmungen durch die Ermittler erinnerten, Tritte ins Gesäß und Schläge ins Gesicht, ja sogar Peitschenhiebe zum pädagogischen Instrumentarium der Erzieher. Neben körperlichen Züchtigungen kamen aber auch „Spezialaufgaben“ zur Anwendung, etwa die Reinigung von Fluren und Klobecken mit Nagel- oder Zahnbürsten. Und bei besonders schweren Verstößen gegen die rigide Heimordnung ging es in die „Zelle“ – einen kalten Duschraum im Keller mit vergittertem Fenster.

„Vor dem hatten alle Kinder Angst, da er als brutal und gefährlich galt.“

Mario Selzer erinnert sich sehr lebhaft an den Erzieher M., der ihn sexuell missbraucht habe: „Bei einer ihrer Besuche schenkte mir meine Oma eine Stoffmaus, die mir Herr M. nach Besuchende abnahm. Eines abends holte mich Herr M. aus dem Bett; er forderte mich auf, ihm ins Erzieherzimmer zu folgen. Er holte die Stoffmaus aus einem Schrank und ging mit mir ins Nachtwachezimmer. Herr M. hielte mir spielerisch die Stoffmaus ans Gesicht, dann an den Bauch und an mein Geschlechtsteil. Er rieb die Stoffmaus eine längere Zeit lang an mein Geschlechtsteil, und ich bekam dadurch eine Erektion. Herr M. hatte noch nicht genug und schlug mir mit einem Schreibstift auf den Penis.“ Mario S. erinnert sich, dass die Kinder sich vor dem Duschen nackt in einer am Fußboden angebrachten Linie aufstellen mussten. Hierbei sei es auch vorgekommen, dass der „Erzieher mit einem Stöckchen die Kinder an den Geschlechtsteilen berührte“. Auch seien die Kinder hin und wieder von Erziehern und Erzieherinnen eingeseift worden. Mario S. erinnert sich an einen Jungen, dessen Eltern die Ausreise in die BRD beantragt hatten und deren Antrag genehmigt wurde. Erzieher M. wollte die Meinung der Kinder hierzu erfahren und fragte, was sie davon hielten. „Ich erklärte ihm“, berichtet Mario S., „dem T. ginge es in der BRD ganz bestimmt besser als hier in diesem Knast. Herr M. gab mir einen heftigen Tritt ins Gesäß und zog mich heftig an den Haaren. Damit nicht genug: Ich musste von 20 bis 23 Uhr ununterbrochen stramm stehen und die Arme waagrecht nach vorne hin ausstrecken. Und als meine Knie einknickten, schlug er mit einem dicken Stock in die Kniekehlen. Die heftigen Schmerzen und Krämpfe durch das lange Stehen interessierten ihn nicht.“ Mario S. erinnert sich auch an den Erzieher H., der nach der „Wende“ im Heim Karriere machte, indem er zum Heimleiter aufstieg: „Vor den hatten alle Kinder Angst, da er als brutal und gefährlich galt. Er schlug zu, wenn einer was angestellt hatte, und verteilte Strafarbeiten wie Schuhputzen, Reinigen des Treppenhauses mit einer Zahnbürste.“ Erzieher H., der auch von anderen Zeugen als brutal eingestuft wurde, habe einen Jungen besonders brutal misshandelt, berichtet Mario S.: „Ich habe mit ansehen müssen, wie Herr H. ein Junge seiner Gruppe immer wieder schlug; der Junge hatte auf dem Rücken grünlichblaue Flecke. Ich habe auch gesehen, dass Herr H. den Jungen, der nur mit einem Slip bekleidet war, einmal auf dem Korridor mit einer Peitsche schlug.“ Auch ihm, berichtet er, habe der Erzieher H. „mit dieser Riemenpeitsche geschlagen, er schlug zwei- bis dreimal auf meinen Rücken. Ich musste auch Liegestütze machen“. Der damalige Heimleiter des Spezialkinderheims, versichert Mario S., „hatte zum Teil Kenntnis von den Misshandlungen, denen ich ausgesetzt war, doch der schwieg. Ich habe ihm zum Beispiel einmal Hämatome an meinem Körper gezeigt, doch er interessierte sich für diese Verletzung nicht“. Nicht nur von ErzieherInnen sei Gewalt ausgegangen. Auch der frühere Musiklehrer des Spezial-Kinderheims Meerane, Herr I., an dem Mario S. keine gute Erinnerung hat, sei ihm gegenüber gewalttätig gewesen: Herr I. habe ihm damals während des Musikunterrichts eine „Gitarre auf den Kopf geschlagen, weil ich den Unterricht störte. Da ich anfing zu lachen, zog Herr I. mich vom Stuhl und stieß mich mit dem Kopf gegen die Wand“. Mario S. erinnert sich, dass er eine starke Beule mit einer Platzwunde davon getragen habe, „die geklammert werden musste“. Dieser Vorfall wurde, erinnert sich Mario S., der Erzieherin Frau P. mitgeteilt: „Frau P. interessierte sich nicht für die Wunde am Kopf. Sie ordnete an, dass ich die Piss-Becken mit einer Zahnbürste zu reinigen habe. Danach wurde ich in die Kellerzelle eingesperrt.“ Der Musiklehrer hatte das große Glück, nach der „Wende“ Karriere zu machen: Herr I. wurde stellvertretender Oberbürgermeister der Stadt Meerane.

„Deine Mutter ist tot!“

Rainer C., der von Anfang 1982 bis Juli 1984 im Spezialkinderheim Meerane untergebracht war, erinnert sich noch heute an diese Heimzeit und an die „Erzieher“. Der Autor gibt wieder, was Rainer C. seinen eigenen Angaben nach dort erlebt hat – und zitiert, der Authentizität wegen ohne stilistische Eingriffe vorzunehmen, aus dessen Gesamtausführungen: Rainer C. berichtet, Erzieher H., der nach der „Wende“ bis November 1997 Heimleiter der Einrichtung war, habe ihn wie auch andere Kinder „Liegestütze, Kniebeuge“ und den „Entengang um die Tischtennisplatte bis zum Umfallen“ machen lassen: „Auf den Stühlen standen Eimer Wasser, wir mussten unter den Stühlen durchkriechen. Wenn wir den Stuhl mit den Rücken berührt haben, ist der Eimer umgekippt und auf uns raufgefallen. Dann haben wir bei ihm in einer Reihe stehen müssen, dann ist er mit einen Arm hintern Rücken und hat mit der anderen Hand seinen Vollbart gestrichen und suchte sich einen Schüler aus – und sagte: „Nun, mein Sohn, wo ist die Leber?“ Wenn er es nicht wusste, wo die Leber sitzt, schlug er mit aller Gewalt den Schüler in die Leber, so dass er zusammenbrach. Und grinste unverschämt.“ Erzieher H. habe, so Rainer C., einen „farbigen“ Jungen brutal misshandelt, so dass dieser „mit einem blauen Auge aus dem Keller kam“. Der Junge R. oder der Junge M., so Rainer C. weiter, habe „einmal vor der Kellertreppe gestanden und wurde mit einer Kugel der Größe einer Bowlingkugel beworfen. Der Junge konnte nicht mehr nach links oder rechts wegspringen, denn da war die Mauer. Die Kugel fiel ihm auf den Zeh. Und der Zeh war geschwollen“. Über Herrn I., dem heutigen stellvertretenden Oberbürgermeister der Stadt Meerane, berichtet Rainer C.: „Herr I. war Musiklehrer und Erzieher. Herr I. war ein knallharter Erzieher. Ich wurde von diesem Erzieher zwei mal zusammengeschlagen. Das erste mal ist es im 2. Stock passiert, indem er mich aus dem Bett zog und mich in den Flur schlief. Er zog mich auf den Fußboden und schlug mich mit Füße und Hände zusammen. Ich wurde am ganzen Körper getroffen sowie auch am Kopf. Danach musste ich Kniebeugen, Liegestützen und Entengang machen. Das hat sicher 2 Stunden gedauert. Den anderen Tag bin ich ins Krankenhaus gekommen. Das 2 Mal spielten wir auf den Hof, da hat mir ein Jugendlicher etwas gesagt. Darauf habe ich ihm geantwortet. Da wird Herr I. sicher gedacht haben, dass ich ihn meinte. Und schnappte mich an den Haaren – und zog mich wieder rein. Er schlief mich über den ganzen Flur und riss mich die Kellertreppe runter. Ich knallte mit dem Kopf auf die Stufen und gegen die Mauer. Danach hat er mich wieder zusammen geschlagen, und ich wachte in der Einzelzelle auf. Dann bin ich wieder ins Krankenhaus gekommen. Ich hatte stark gebrochen und starke Schmerzen im Kopf. Ich hatte kaum etwas gesehen, alles war schwarz vor meinen Augen. Beim 3 mal wusste ich nicht, was passiert ist, ich bin im Krankenhaus aufgewacht. Der Arzt sagte mir, ich habe eine Gehirnerschütterung. Ich musste beim Herrn I. im Entengang die Treppe runter gehen, und das war ihn anscheinend zu langsam – und er schupste mich. Und ich flog mit dem Kopf gegen die Mauer. Ich habe häufig auch sehr starke Kopfschmerzen. Ich denke auch sehr oft an dieses Heim zurück. Die letzte Zeit ist bei mir kein anderes Thema mehr. Ich hoffe es, dass ich endlich vergessen kann. 1982 ist meine Mutter gestorben. Diese Nachricht übermittelte mir Herr I. Er sagte: „Komme bitte mit. Gab es irgendwelche Probleme in deiner Familie?“ Ich sagte „Ja“. Er sagte ganz locker zu mir: „Deine Mutter ist tot.“ Ich durfte nicht zu Beerdigung fahren. Ich selbst, wenn ich heute in dieses Kinderheim reingehen würde nach 15 Jahre, würde ich Ihnen genau zeigen können, wo die Einzelzelle und die Duschen im Keller waren. Ich hatte mir in dieser Einzelhaft Selbstmord versucht. Ich habe heute noch die Narben an meinen Armen.“ Über die – damalige – Heimerzieherin Frau G. berichtet Rainer C.: „Ich kam ins Kinderheim Meerane. Das war gleich am ersten Tag, da musste ich meine Sachen auspacken. Ich habe gleich von der Frau G. eine geknallt bekommen. Bei dieser Erzieherin wurden wir ständig mit Liegestützen, Kniebeugen und Entengang gequält, bis uns die Füße schmerzten und zu zittern anfingen. Da mussten wir uns in einer Reihe vor die Tischtennisplatte hinstellen und uns ausziehen. Dann begann sie zu lachen über unsere Geschlechtsteile und zeigte mit den Finger. Die Frauen hatten uns häufig eiskalt duschen lassen. Und haben uns immer dabei zugeschaut. Wir mussten immer vom 2. Stock bis in den Keller nackig runterlaufen. Und wir wurden gezwungen, alles zu essen. Ich selbst habe heute noch von Tomaten ein starkes Grausen. Es dürfen heute keine Tomaten auf den Tisch.“
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Die Beschuldigten erhielten von höchster Stelle der Stadt Meerane die „Absolution“
Im Rahmen des Strafermittlungsverfahrens haben zahlreiche ehemalige Heimkinder den Ermittlungsbehörden die Straf- und Sanktionsmitteln wie folgt beschrieben: Dass Reinigen des Korridors mit einer Fingernagelbürste habe genauso zum Heimalltag gehört wie Gewalt in Form von Tritte in den Hintern, an den Ohren ziehen, mit der flachen Hand ins Gesicht schlagen, grobes Anfassen im Genick oder an den Armen, den Kopf ins Erbrochene drücken, Kniebeuge und Liegestütze machen, kalte Dusche, Treppen auf- und absteigen, verbale Gewalt (Idioten, Schweine), das Einsperren in eine Zelle (ein ehemaliges Heimkind berichtete: „Man musste sich dann vor der Zelle, die nicht beheizt war, nackt ausziehen; in der Zelle gab es keine Decke. Ich selbst war dort oft eingesperrt, so zum Beispiel, weil ich die Nachtruhe störte. Ich musste ohne Frühstück, Mittagessen und Abendbrot den ganzen Tag dort bleiben“). Immer wieder sei es der Erzieher H. gewesen, der ihn da eingesperrt habe. In einem SPIEGEL-Bericht, der am 6. Oktober 1997 erschien, verteidigte Heimleiter H., der von mehreren Zeugen schwer belastet wurde, sich und seine Kollegen gegen die „Verleumdungen“: „Wir haben auch zu DDR-Zeiten unter sehr schwierigen Verhältnissen versucht, den Kindern Wärme und Geborgenheit zu geben.“ Mario S., den Hauptzeugen der Staatsanwaltschaft Chemnitz, diffamierte er als „weichen, linksgestrickten Jungen“, der, aufgestachelt von anderen, nichts als „Verleumdungen“ verbreite: „Der Junge ist gescheitert, und nun will er uns dafür zum Sündenbock machen.“ Um generell die Glaubwürdigkeit des Hauptzeugen in Frage zu stellen, wurde dieser letztendlich vom Heimleiter und vom stellvertretenden Oberbürgermeister I. zu einem kranken Menschen abgestempelt. Entsprechend forderten beide ein Glaubwürdigkeitsgutachten. Ein Glaubwürdigkeitsgutachten wurde später erstellt, der Gutachter bescheinigte Mario S. die von den Herren H. und I. in Frage gestellte Glaubwürdigkeit. Einen Tag nach der SPIEGEL- Veröffentlichung wurde den Beschuldigten von höchster Stelle der Stadt Meerane die „Absolution“ erteilt: In einer „Amtlichen Stellungnahme zu öffentlichen Vorwürfen gegen den Ersten Beigeordneten der Stadt Meerane“ vom 7. Oktober 1997 erklärte der Bürgermeister von Meerane, Dr. O.: „Mir ist bekannt, dass gegen Herrn I., Erster Beigeordneter der Stadt Meerane, und gegen Erzieher des Kinderheimes „Georg-Krause“, Amtsstraße 5 in Meerane, ein Ermittlungsverfahren läuft. Hierfür ist allein die Staatsanwaltschaft zuständig. Solange keine Ergebnisse vorliegen, gibt es seitens der Stadt Meerane keinen Handlungsbedarf. Im übrigen bin ich überzeugt, dass sich die Vorwürfe als haltlos erweisen werden.“ Sicherlich ist es ein purer Zufall, dass Dr. O. bis 2001 Bürgermeister und der damalige Musiklehrer I. bis 2001 sein Stellvertreter war. Vor seiner Zeit als Bürgermeister hatte Dr. O. in Meerane eine Arztpraxis und war als Arzt auch für das Spezial-Kinderheim Meerane tätig. Ob Dr. O. zu den Ärzten gehörte, die zu verantworten haben, dass Heimkinder teilweise zur Ruhigstellung Tranquilizer wie „Frenolon“ erhielten, ist heute nicht mehr zu eruieren. Auch der Diakonie-Direktor, J. B., erklärte dem Heimleiter H. seine uneingeschränkte Solidarität: Gegenüber der Leipziger Volkszeitung versicherte er Anfang Oktober 1997: Für eine Beurlaubung des Heimleiters gebe es keinen Anlass, „vor allem, wenn man sich klarmacht, dass nach einem Jahr noch kein Ermittlungsergebnis vorliegt“. Einige Wochen später war Heimleiter H. kein Heimleiter mehr. Den Posten des Geschäftsführers vom Erziehungsförderverein e.V. Meerane, Träger der Heimeinrichtung, den dieser seit Anfang der neunziger Jahre innehat, führt er bis 2001 aus. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen einige frühere und einen noch tätigen Mitarbeiter (auch und insbesondere gegen den damaligen Heimleiter Geschäftsführer vom Erziehungsförderverein, Herr H.) Anklage. Die gesamte Anklage wurde vom Landgericht Chemnitz nicht zugelassen. Die Begründung lautete: Alle in der Anklageschrift aufgeführten Straftaten unterliegen der Verjährung. Hiergegen hatte die Staatsanwaltschaft folgerichtig in zahlreichen Fällen, die ihrer Rechtsauffassung nach nicht verjährt waren, Beschwerde beim Oberlandesgericht Chemnitz eingelegt. Das Oberlandesgericht gab der Beschwerde in den wesentlichen Punkten statt – mit der Folge, dass das Landgericht das Hauptverfahren eröffnen musste. Für alle Prozessbeobachter völlig unerwartet wurde die modifizierte Anklage trotz der OLG-Entscheidung durch Urteil verworfen; das Landgericht blieb bei seiner Rechtsauffassung, dass die Anklage wegen Verjährung der vorgeworfenen Straftaten nicht zu einer Verurteilung führen könne. Das Skandalurteil wurde vom Bundesgerichtshof aufgehoben und an das Landgericht Leipzig verwiesen. Im Sommer 2002 legte einer der Angeklagten gegen die BGH-Entscheidung Verfassungsbeschwerde ein. Sollte das Bundesverfassungsgericht der Verfassungsbeschwerde stattgeben, würden die von zahlreichen früheren Heimbewohnern erhobenen schweren Vorwürfe, Beschuldigungen, Straftaten – unterstellt, ihre geschilderten Erlebnisse entsprechen der Wahrheit – für immer ungesühnt bleiben. Hierzu ein Zitat aus dem Beschluss des OLG Dresden vom 28.04.2000:
„In der Gesamtschau haben die Ermittlungen ein allgemeines Bild der in dem Spezialkinderheim herrschenden Verhältnisse ergeben, in das sich die Schilderungen der Geschädigten bruchlos einfügen. … Da die Glaubwürdigkeit von Zeugen grundsätzlich eine der Beurteilung in der Hauptverhandlung vorbehaltene Frage ist und mithin nach Aktenlage eine überwiegende Verurteilungswahrscheinlichkeit besteht. (…) Auch jenseits der Anklagevorwürfe wurden Züchtigungen und Misshandlungen, insbesondere durch den Angeschuldigten H., von verschiedenen Zeugen unabhängig voneinander geschildert.“
Es gibt weitere frühere Heimbewohner, die sich nicht bei den Ermittlungsbehörden meldeten und über schwere Misshandlungen, auch Freiheitsberaubung, berichteten. Und immer wieder wurde der Name des damaligen Heimleiters und Geschäftsführers, Herr H., genannt.

Heimleiter bedrängte Mitarbeiterin offenbar zur Falschaussage

Herr M., Anfang der neunziger Jahre Zivildienstleistender in der Einrichtung, wurde wegen seinen Fähigkeiten im Umgang mit Kindern vom – damaligen Heimleiter, Herrn H. – nach seiner Zivildienstzeit als Mitarbeiter eingestellt. Anfang 1994 hatte der Mitarbeiter mit einem Heimjungen seine Schwierigkeiten: Der Junge tobte und schlitzte mit einem Messer in das Mobiliar. Dem Mitarbeiter gelang es, ihm das Messer aus der Hand zu nehmen. Wegen Vorwurf der Misshandlung musste er sich vor Gericht verantworten, da eine Praktikantin in ihrer polizeilichen Vernehmung – sehr ungewöhnlich: der Heimleiter soll hierbei anwesend gewesen sein – angab, er habe den Jungen geschlagen, getreten und an den Ohren gezogen. Als Zeugin vernommen, gab sie an, der Heimleiter habe sie zu dieser Aussage gedrängt, darüber hinaus habe sie gehofft, dass die Berufsanerkennung ohne Probleme verläuft. Durch dieses Eingeständnis wurde der Erzieher freigesprochen – und der Heimleiter angeklagt. Die Zeugin blieb auch hier bei ihrer Aussage. Und der freigesprochene Erzieher berichtete als Zeuge, er habe Herrn H. mit einer Klage vor dem Arbeitsgericht gedroht, da dieser ihm angekündigt habe, er müsse Mitarbeiter wegen dem Personalschlüssel entlassen; dieser würde nicht mit dem „Schlüssel“ pro Kind übereinstimmen. Weiter berichtete der Erzieher, er gehe davon aus, dass der Heimleiter ihm über den Misshandlungsvorwurf habe kündigen wollen. Über eine Verurteilung wegen Kindesmisshandlung wäre die Kündigung sicherlich erfolgreich gewesen. Das Gericht schien – warum auch immer – mit Heimleiter H. Erbarmen zu haben: Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage von DM 4.000,00 eingestellt. Die Diakonie Sachsen als Träger der Einrichtung sah keine Veranlassung, sich von Herrn H. zu trennen.
Sehr viel spricht tatsächlich dafür, dass damals Kinder bzw. Jugendliche in dem Spezialkinderheim Misshandlungen – teilweise schwersten Misshandlungen und Freiheitsberaubung – wehr- und hilflos ausgeliefert waren.

Copyright 2003 Alexander Markus Homes. Alle Rechte vorbehalten.
Quelle: Alexander Markus Homes:

Gewalt und Lust im Namwn Gottes

Gewalt und Lust im Namwn Gottes

Heimerziehung – Lebenshilfe oder Beugehaft. Gewalt und Lust im Namen Gottes.

http://www.amazon.de/Heimerziehung-Lebenshilfe-Beugehaft-Gewalt-Gottes/dp/383344780X

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Das Interview  im Jenseits oder  „Sommer 1981“

Der Transportwagen hält auf einem fremden, unbekannten Hof. Die Tür fliegt auf und eine Frau schreit: „Alles raus! Los, los! Laufschritt!“ Sieben fragende Gesichter blicken sich kurz verzweifelt an. Die fünf weiblichen Gefangenen springen zuerst vom Wagen, danach Frank und ich. Irgendwie hatten wir es wohl für ein Gebot der Höflichkeit gehalten, den Frauen den Vortritt zu lassen. Aber Höflichkeit war hier nicht gefragt. Ich sehe, wie ein Stiefel nach mir tritt und Sekunden später befinde auch ich mich im Laufschritt. Die Richtung wird uns durch die Reihe der uniformierten Frauen vorgegeben, die uns später als unsere „Erzieherinnen“ vorgestellt werden. Zwei Schließer standen auch dabe. Unser erstes Ziel ist eine Art Turnhalle.

Man hatte aus mehreren Zellen Wände herausgebrochen, wodurch  ein vielleicht  8 x 8 Meter großer Raum entstanden war. An der Fensterseite standen niedrige Holzbänke, vor denen wir nun angetreten waren. „Ausziehen, Sachen hinter euch auf die Bank. Dalli!“ Wieder suchen sich unsere Augen. Wir lesen die gleichen Fragen. Es waren mit Sicherheit die gleichen Fragen, denn wir entstammten alle der gleichen Zivilisation und- wir standen wenig später alle in unserer Unterwäsche da. Eine der Uniformirten erklärt uns diesmal in ruhigem Ton: „Ihr seid hiwer, damit wir euch auf den richtigen Weg bringen. Wir werden euch erziehen. Wir sind in den nächsten Monaten sozusagen eure Eltern.“ Und weiter: „Schämt man sich vor seinen Eltern? Na also! Und jetzt runter mit dem Zeug, aber ein bißchen plötzlich! Ihr werdet euch schnell dran gewöhnen.“ Die zwei Schließer steckten unsere Sachen in einen großen Sack unsd bringen sie weg. Wenig später stehen wir in Reih und Glied auf dem Gang neben einer Tür. Die „Aufnahme“ beginnt. Manchmal kommt jemand über den Gang gelaufen. Auch andere Insassen, die man an ihrer Kleidung unschwer erkennt, kommen vorüber und werfen uns schüchterne Blicke zu. Sie haben einen größeren Vorteil. Nicht nur, daß sie Kleidung tragen – nein: sie wissen, was uns erwartet, den sie haben es zweifellos schon hinter sich.

Was geht in dem Zimmer vor, in das wir sicher gleich hereingerufen werden? Warum läßt man uns so lange warten? Das Herz schlägt bis zum Hals. Nur die Fragew, was als nächstes kommt, interessiert. Was morgen sein wird, übermorgen… Es ist noch noicht wichtig.  Erstmal den Moment überleben. Irgendwie. Mit Würde, wenns geht. Geht das überhaupt noch? Wir sind nackt. Neben mir steht eine junge Frau. Sie ist sehr hübsch. Draußen hätte ich was drum gegeben, sie so sehen zu können. Aber hier? Nur nicht dran denken jwetzt, nicht daß noch etwas Unangenehmes passiert? Geht das überhaupt? Da ist doch diese Angst und diese Ungewissheit. Nein, keine Angst, da passiert nichts Unangenehmes. Hunger! Wann haben wir zuletzt gegessen?

Na klar, heute früh in Berlin. Wie lange sind wir gefahren? Wo sind wir überhaupt? Ob man uns das sagen wird? Wenn ja, wann? „So, rein hier, meine Damen und Herren“ reißt mich eine Stimmew aus meinen Gedanken. Wir betreten eine Art Wohnzimmer. Richtig mit Sofa und Sesseln, einem großen Schreibtisch mit einem dicken Chefsessel dahinter. Die andere Hälfte des Zimmers ist leer. In der Mitte ein weißer Strich. Dort müssen wir antreten.

Die Frau am Schreibtisch stellt sich als Leiterin der Abteilung 04 vor. Frau Dr. Hahner. Dann sind da noch die Erzieherinnen Frau Hopp, Frau Salewski, Frau Erzberger, die Namen der anderen beiden habe ich vergessen. Sie sitzen rauchend in den Sesseln. Zifarettenrauch! Wan habe ich zuletzt eine Zigarette geraucht? Es riecht…irgendwie nach Zivilisation in dieser kalten Umgebung. Es erinnert an draußen. Wir werden informiert, daß es in der Abteilung verschiedene Gruppen gibt, in die wir aufgestellt werden. Die junge Frau, die mit mir zur Gruppe von Frau Erzberger kommt, heißt Kathrin.

Sie ist ca. ein Jahr älter als ich, sieht abermindestens wie Mitte 20 aus. Die Erzberger nimmt keine Notiz von uns. Alle Neuankömmlinge kommen dann runter ins Bad. Nach dem Duschen kommt ein Schock, den wir erst Tage später halbwegs verarbeiten können. Wir werden „enthaart„. Überal. Kathrin bekommt einen Weinkrampf. Mein Körper stellt um auf „Notprogramm“. Ich schäme mich nicht mal mehr. Ich habe diesen Körper verlassen und stehe neben mir. Es gehört mir nicht, dieser Körper, mit dem sie dasalles machen. Also muß ich mich auch nicht schämen. Diese Eigenschaft wird mir in kommenden 22 Monaten noch gute Dienste erweisen. Danach erhalten wir Sachen. Sachen? Es ist ein Zwischending aus Kittel und Sack. War irgendwann mal blau-weiß gestreift, jetzt eher Grau.

Die Frauen  bekommen eher einen Schlüpfer dazu. Wahllos. „Wenn´s nicht passt, tauscht´s später unter euch aus„, sagt die Salewski barsch, nachdem eine aus ihrer Gruppe um einen kleinerer bat. Ich höre mich fragen, ob Frank und ich denn auch Unterwäsche kriegen. Frau Erzberger lacht und meint, ich könnte nachfragen, sobald ich meine Tage hätte. AHA. Dann werden uns doch je eine lange Hose zugeworfen und ein paar schwere  Schuhe, die wir allerdings nur draußen und bei der Arbeit tragen dürfen. Wir wqerden aufgeteilt und folgen unseren Erzieherinnen in deren Diensträume. Dort erfolgt die „Aufklärung“. Zunächst erhalte ich die Nummer 14 und bin damit 04-14.

Teil 2

Danach Geschichtliches zur Einrichtung. Wann gegründet und warum. Wieviele Abteilungen und Gruppen und so weiter.

Ich erfahre, daß das bis vor einem Jahr ausschließlich eine Einrichtung zur Erziehung von Mädchen bzw. Frauen war. Deshalb so wenig männliches Personal und deshalb gerade für mich mit einigen Einschränkungen und „Besonderheiten“ verbunden, an die ich mich gewöhnen werde. Die anderen hätten sich auch schnell daran gewöhnt und viel Zeit zum Nachdenken würden wir eh nicht haben. Sie erklärte uns, daß mit uns etwas nicht stimmt und wir deshalb auf die schiefe Bahn geraten seien. Dies werde in kommenden Monaten auch aus medizinischer Sicht begutachtet und behandelt. Manchmal ist es das Hirn, manchmal – gerade bei uns Jüngeren – die Hormone, die noch ein bißchen  verrückt spielen und einer Korrektur bedürfen.

Dann die Regeln:

Wer ungefragt spricht, wird bestraft, wer nicht spurt, wird bestraft, wer nicht schnell genug ist, wird bestraft, wer nicht ißt, wird bestraft, wer nicht pünktlich ist, wird bestraft, dies wird bestraft, jenes wird bestraft.

Ich habe mich schließlich darauf beschränkt, mir zu merken, daß allein das Atmen nicht bestraft wird…. so lange man es leise macht. Sie schließt mit den Worten: „Und merkt euch alle beide gut: In den nächsten Monaten gehören eure Ärsche mir. Und das meine ich so, wie ich es sage.“ Beim Gang über den Hof stelle ich fest, daß es bereit dunkel ist. Es geht hinauf auf die Abteilung. Kathrin und ich müssen im „Dienstraum“ antreten, dem Büro der Abteilung. Ich zögere kurz bei Eintreten, denn es steht ein nacktes Mädchen drin. Höchstens 18. Zweifelsfrei auch eine Insassin, denn sie trägt keine Haare. Ihr Gesicht ist völlig verweint, die Hände im Nacken verschränkt. Zum ersten Mal sehe ich diese Narbe an einem Unterleib, dort wo die Schamhaarung beginnt. Ich sollte derer noch einige zu sehen kriegen. Frau Erzberger schreit sie an, ohrfeigt sie und droht mit dem „Salon“ am Freitag.

Schon wieder ein neuer, unheimlicher Begriff. Ich will nicht wissen, was er bedeutet. Weiß nur, daß es besser ist, wenn ich es möglichst nie erfahre. Woher ich dasweiß? Die Reaktion der jungen Frau. Wie ein Stromschlag. Sie darf ihren Schlüpfer wieder anziehen und muß am weißen Strich antreten. Kathrin und ich werden eingewiesen. Unmöglich, sich das alles zu merken. Wichtig immer sofort aufstehen, wenn eine Erzieherin oder eine Schwester den Verwahrraum betritt.. Das habe ich mir gemerkt.

Und daß man nicht austreten kann, wenn man will, sondern daß es feste Zeiten gibt. Wer trotzdem muß, kann natürlich fragen – und bekommt dafür einen Vermerk. Für 10 Vermerke gibt es „einmal Salon“. Wieder dieses Wort. Ich frage aber nicht. Kathrin auch nicht. Wahrscheinlich deshalb nicht, weil es scheint, als hätte die Erzberger diese Frage  geradezu provoziert. Ich komme in den Verwahrraum. Er hat keine Fenster, zwei Pritschen, eine ist an der Wand hochgeklappt und angekettet. Ein ebenso abklapparer kleiner Tisch und ein kleiner Nachtschrank, wie man sie aus einem Krankenhaus kennt.

Ob ich mich hinlegen darf? Ich bin müde und hungrig, aber der „Einlieferungsschock“ übertönt diese Gefühle. Schlafen könnte ich trotzdem. Mal kurz das Hirn ausschalten. Es hat ja einen wahren Marathon hinter sich. Was da heute alles passiert ist. Ist das überhaupt alles wahr? Vielleicht träumst du nur, Thomas? Ach, wäre das schön. Nur ein Traum. Unschlüssig stehe ich im Raum. Ich wage nicht, mich einfach so hinzulegen. Bestimmt gibt es dafür einen Befehl oder irgendein Zeichen oder sowas. Die warten doch bestimmt auf einen Fehler von mir. Irgendwann siegt die Müdigkeit und ich lege mich auf die Pritsche. Ich träume. Irgendwas Schönes,… Bumm! Ein furchtbarer Schmerz in der Magengegend – Klatsch,klatsch. zwei Ohrfeigen. So schnell war ich in meinem Leben noch nie wach. Ich springe auf und stelle mich neben das Bett. Das Licht blendet. Ich erkenne Frau Erzberger und eine Frau in weißem Kittel. Ein Schließer steht in der Tür. Es folgt eine Flut von Beschimpfungen von Frau Erzberger. Was ich für ein Dreckschwein sei, mich einfach so ins Bett zu legen – in Sachen und ungewaschen. Ich verteidige mich und sage, daß ich keine Nachtwäsche bekommen habe und keine Hygieneartikel. Die Erzberger grinst fies und informiert mich, daß ich mir soeben 8 Vermerke eingehandelt hätte.

Für die „Sauereien“ und dafür, daß ich ungefragt gesprochen habe. Es ist schwer, sich dann auf die Zunge zu beißen. Die Erzberger ist etwa 23, maximal 25, also nur wenig älter als ich.

Was qualifiziert so ein Küken, einen so fertig zu machen, ja mehr noch – mich und andere zu erziehen? Die Frau im weißen Kittel gibt mir einen Senfbecher aus Plastik und eine Zahnbürste, ein Stück Seife, einen Waschlappen und Zahnpasta und ein Handtuch, daß kaum größer ist als der Lappen. Messer und Gabel sind ebenso verboten, Wie Glas aller Art und Rasierzeug. Wegen Selbstmordgefahr. Essen gibt es zentral im Speiseraum und rasieren, das hätte ich ja schon bei der Aufnahme mitbekommen, muß ich mich auch nicht selbst. Gewaschen wird auch zentral, im Waschraum. Dorthin wurde ich als nächstes gebracht. Es geschah alles wie im Traum, mein Hirn war schon längst überfüllt von Eindrücken und ich war tot müde. Daß ich mich vor meiner Erzieherin ausziehen mußte, hat mir in dem Moment schon nichts mehr ausgemacht. „Fünf Minuten,klar“ erfuhr ich, als ich an ihrer Hand von der Umkleide- in den Waschraum stolperte. Aus einer der Duschen kam kaltes Wasser. Besser als nichts…und es tat trotzdem gut. Das Abtrocknen mit dem Fetzen Handtuch war eher ein gleichmäßiges Verteilen des Restwassers, auf der Haut, so  daß das Nachthemd, das mir die Erzberger zuwarf und das ohnehin etwas zu klein war, regelrecht an mir klebte und kaum überzuziehen war. Ich kam mir blöd vor in diesem Ding, das kaum bis zu den Hüften reichte, aber auch daran gewöhnte ich mich bakd, weil alle so eins hatten: Männer und Frauen. Dann dzrfte ich endlich schlafen. Blöd nur, daß ich jetzt nicht mehr konnte. Die fremden Geräusche auf dem Gang, die vielen Eindrücke. Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren und ich ärgerte mich, weil ich gern geschlafen hätte. Schließlich wußte man nie, was noch alles kommt und ich hatte schon in der U-Haft gelernt, daß man bei jeder sich bietenden Möglichkeit schlafen sollte.

Dann schlief ich doch ein – wahrscheinlich war es schon gegen Morgen. Daß um genau 5 Uhr geweckt wurde, wußte ich nicht. Auch nicht, wie spät es überhaupt war, weil keiner eine Uhr hatte. Aber wir brauchten auch keine.

Teil 3

Punkt 5 ging die Alarmsirene an. Jeden Tag. Drei Minuten Zeit zum Anziehen und raus treten auf den Gang. Dan abrücken Frühsport. So stelle ich mir militärische Ausbildung vor. Die männlichen Insaßen mußten 3000 Meter laufen, die weiblichen 1500 Meter.

Es gab Frauen, denen war das aus  orthopädischen Gründen nicht möglich ( es gab keine BHs ), so lange Strecken zu laufen. Fürdie gab es das sogenannte „Sport extra“ gymnastische Übungen usw. bis zur Erschöpfung. Kniebeuge vor allem. Meist weit über 100 Stück. Dazu als Sahnehäunchen Liegestütze. Nicht unter 50. Das alles begleitet von Aufsichts-personal. Es gab Tage, da stand das Personal in Gruppen herum, unterhielten sich und achteten kaum auf uns, an anderen Tagen wiederum wurden wir regelrecht gedrillt. Während man da so eine Runde dreht, hat man trotzdem noch ein bißchen Atem übrig, um sich mit diesem oder jenem Leidensgenossen flüsternd  zu unterhalten.

So erfuhr ich schon am ersten Tag, daß wir hier 8 Männer Jungs und 37 Frauen/Mädchen sind, davon 15 mit einer geistigen Behinderung. Ich erfuhr vor wem ich mich in acht zu nehmen habe und wer „so weit in Ordnung“ ist. Es gab auch  Erzieherinnen, die „so weit in Ordnung“ waren, leider nicht in unserer Abteilung o4. Einer der Jungs, die schon länger da waren, hieß Steffen. Er war guter Hoffnung, daß er nicht mehr lange hier sein müsse. Ein anderer, Frank, klärte mich auf, was hier „abgeht“ und vor allem wie.

Wenn ich irgend sowas wie Stolz hätte oder Schamgefühl oder glauben würde, daß es irgendwas gibt, das mich mit einer Erzieherin gleichstellt, so sollte ich das gleich vergessen. „Die brechen Dich hier, das ist das einzige Ziel.“ Nch dem wir vom Frühsport „eingerückt“ waren und unsere Betten hochgeklappt wurden und der Verwahrraum aufgeräumt ( gekehrt bzw. gewischt ) war, wurde mir mitgeteilt, daß die Turnhalle „mein Revier“ wäre, das ich jeden Früh und jeden Abend zu reinigen hätte. Zum Glück war ich nicht alleine: auch Steffen und eine junge Frau namens Claudia waren der Turnhalle zugeteilt und schon emsig am Werke, als ich hingebracht wurde. Steffen sagte mir, was ich zu tun hätte ( mit der Keule bohnern ) und es entwickelte sich ein vorsichtiges Gespräch. Ohne daß wir dabei vergaßen, so schnell und gut wie möglich unsere Arbeit zu verrichten. Nach dem „Revier“ ging´s dann zurück in den Verwahrraum, Waschzeug schnappen und wieder antreten. Dann in den Waschraum. Zuerst die Frauen, dann wir.

Gewisse Eintzelheiten mag ich hier nicht erörtern, aber sie paßten zu dem, was Steffen vorher zu mir gesagt hatte. Ich halte mich trotzdem mehr an Frank, weil der auch neu war…Gemeinsamkeiten verbinden. Ein kurzes „Wie geht´s?“ – ein noch kürzeres „Na ja…“

Der Speiseraum ist voll. Ich staune. Wo kommen die vielen Leute her? Steffen klärt mich auf, daß es auch noch eine Abteilung 03 gibt, die hier ißt. Vorwiegend ältere Insassen. Also keine, die man nich „erziehen“ kann… was nicht heißt, daß man es nicht versuchen würde. Der augenscheinlichste Unterschied: die 03-er hatten Haare. Vor mir stand eine 03- erin. Etwa um 50, dunkelblond, Locken, etwas füllig. Sie hatte so etwas Warmherziges…ich kann es nicht sagen. Irgendwie wie eine Art Mutter oder so. Eunen ganz lieben Blick hatte sie, es war sofort Vertrauen da.

Es kann natürlich sein – also ich meine:  ich hätte wohl in diesr Situation, wo ich regelrecht Sehnsucht nach etwas menschlicher Wärme hatte, jedem Menschen vertraut, der mich nicht anbrüllt oder schlägt. Wann ich angekommen sei, wollte sie wissen und woher ich komme. Na ja, eben die üblichen Themen.

Da plötzlich, als die Schlange an der Essenausgabe vorwärts rückte, kamen sich unsere Arme in die Quere und sie verlor den Teller ( Plastik ) und den Löffel, der natürlich mit lautem Getöse herunter fiel. Sofort war alles still. Ich bückte mich schnell und hob der Frau den Teller und den Löffel auf. Als ich ihr Teller und Löffel geben wollte, stand plötzlich Frau Erzberger neben mir“Wieso hebst du ihr das Zeug auf? Solidarisiert ihr euch? Kennt ihr euch? Habt ihr was miteinander? Na, das kriegen wir raus!“ Die Frau erhielt zwei Ohrfeigen und wurde angeherrscht, künftig das Volkseigentum besser zu achten. „Beide kein Abendessen Heute. Außerdem sehen wir uns heute Abend im Salon, klar?“ Als die Erzberger wieder weg war, hörte ich die Frau  nur noch „Oh Gott“ sagen. Ihr Gesicht war knallrot, ihre Augen standen voll Wasser und sie sprach kein Wort mehr. Ich flüsterte fast flehend „Wasist Salon?“,aber sie sagte absolut nichts mehr. Ich hatte Angst. Mit so einem Kloß im Hals ist natürlich schlecht frühstücken. Da der Tag dann irgendwie „normal“ weiterging, also niemand irgendetwas zu dem Vorkommnis sagte, beruhigte mich das etwas. Vielleicht war es ja  doch nicht so schlimm oder – noch besser: vielleicht war es ja nur ein Warnschuss und gar nicht ernst gemeint. Oder die Erzberger hatte es schon wieder vergessen. Na ja, jedenfalls faßte ich wieder Mut. Ich wurde der Weberei zugeteilt. Das heißt: ich stand jeden Tag 12 Stunden an einem solchen Webstuhl. Halbautomatisch, Baujahr 1928. Nicht daß jemand glaubt, man kann Gewalt nur mit Schlägen und zufügen von Schmerzen ausüben.

Oh nein! Es gibt tausend Formen, die zwar Gewalt sind, aber nicht so aussehen.Da ist zum Beispiel die Sache mit der Essenseinnahme. Genau 10 Minuten hast Du Zeit, die Dir zugedachte Mahlzeit zu „verschlingen“. Mittags das kann noch angehen, wo alles fertig auf dem Teller liegt. Aber morgens zum Beispiel, wo das Schmieren der Brote von der Zeit abgeht… Ja, und als Neuer fängst Du an, alles zu verschlingen. Nur im Unterbewußtsein wunderst Du Dich, warum die anderen, die Alten, das nicht machen. Nun – es gab zwei Gründe dafür. Den ersten merkst Du  zwei Stunden später, den zweiten nach ein paar Tagen oder Wochen.

Zum ersten ist da nämlich die Sache mit dem Stuhlgang. Es ging nur früh um halb sechs und abends halb acht zum „großen“ Geschäft und nach dem Mittag in der Fabrik konnte man nochmal klein. Ja – und nun hast Du Dir den Bauch vollgeschlungen ( sofern das bei dem Fraß überhaupt möglich war – zumindest nur quantitativ) und wenig später fängt es an zu drücken. Wer das nicht kennt, kann das auch nicht erahnen. Es ist die pure Hölle und irgendwann kommt der Punkt, wo einem alles egal ist und man jede nur erdenkliche Konsequenz in Kauf nimmt, nur um mal zu dürfen. Da geht man einfach los und bittet drum und akzeptiert jede Strafe. Egal! Dann der Moment, wo Du Dich erleichterst – es ist einfach unbeschreiblich. Was kann schöner sein? Doch im nächsten Moment, wenn dasschöne Gefühl grad am Nachlassen ist, fällt Dir der Preis dafür ein und Du fragst Dich, ob es den wirklich so schlimm war, daß Du Rindviech es nicht hättest noch bis zum nächsten Toilettengang aushalten können. Jetzt weißt Du es, warum es besser ist, weniger zu essen und  ganz wenig zu trinken. Das mit dem Trinken war noch wichtiger. Man mußte die richtige Menge finden. Zu wenig, bedeutete die Gefahr, die Nieren zu schädigen und zu dehydrieren. Zu viel bedeutete, längere Zeit mit voller Blase zu verbringen. Viele von uns , auch ich, hatten eine „Leierblase“. Die Blasenmuskulatur war durch die ständige Überfüllunmg erschlafft und schaffte es nicht mehr, sich so  zusammen zu ziehen, daß sich die Blase entleeren konnte.

Besser, man kam irgendwie damit klar und behielt es für sich. Denn wenn sie erst damit anfingen, Dich darauf zu behandeln, warst Du verraten und verkauft. Mit einem Dauerkatheter hatten sie Dich  nämlich absolut  in der Hand. Ohne so ein Ding konnte man sich ja doch ab und zu mal irgendwo „abducken“ und sein kleines Geschäft machen ( in der Weberei gab es Ecken, die stanken schlimmer als ein Kneipenklo). Aber mit so einem Katheter – den mußtest Du Dir erst öffnen lassen ( den Clip hatte die Erzieherin ) und die machte das bestimmt nur zur angegebenen Zeit. Der zweite Grund, behutsam zu essen, macht sich erst nach längerer Zeit bemerkbar. Durch den Streß und das Hineingestopfe kriegst Du irgendwann Magenkrämpfe. Es kommt der Punkt, wo man mehr herauskotzt als man zu sich nimmt. Gerade bei den Neuen – so nach zwei bis drei Wochen, war das ein fast normales Bild. Schon beim Frühsport wurde gekotzt, ohne daß man schon irgendwas zu sich genommen hätte. Dazu Magenschmerzen, Schweißausbrüche…. und keiner nimmt Rücksicht und keinen interessiert es. Ja, und am Ende ist es Dir egal, ob Du nur eine oder 10 Minuten Zeit zum Essen hast – weil Du in dieser Phase eh nur Wasser säufst, um den Magen nicht zu belasten. Und da  das Wasser sowieso wieder oben raus kommt, ist auch die Blase gerettet.

Teil 4

Ich musste anfangs den Turnraum sauber wischen und schrubben und bohnern und so – nackt.

Einfach Mandy muß an der weißen Linie stehen, über die ein Insasse unaufgefordert niemals treten darf. Ich muß ihr meine Sachen geben. Esist eh nicht viel – ein Nachthemd eben, die Unterhose mußte ich schon oben im Verwahrraum ausziehen. Dann werde ich zur Toilette geschickt. Mit voller Blase soll niemand den Bock besteigen, weil man während einer Züchtigung auch mal schnell die Kontrolle über die Schließmuskulatur verliert. Ich liege auf dem Bock. Kloß im Hals. Anst vor den Schmerzen, die kommen werden. Ich liege auf dem Rücken, die Hände sind an den Seitenbeinen des Bocks festgebunden. Hinter mir steht Frau Salewski. Wenn ich zu ihr nach oben schaue, sehe ich nur ihren Bauch. Ob ihr Mann das weiß, was sie so macht? Wird sie es irgendwann mal ihrem Kind erzählen? Ist ihre Schwangerschaft der Grund, warum ich vergeblich versuche, sie zu hassen? Mir werden die Beine angehobenund zurückgedrückt. Frau Salewski  faßt sie an den Knöcheln und hält sie fest. Wie immer bei Züchtigungen kommt die Anweisung, laut und auf russisch mitzuzählen. Aber weiter als bis odinadzatsch ( elf ) ist noch keiner gekommen. Ist dann auch egal, ob man auf russisch, deutsch oder meinetwegen auf lateinisch weiter wimmerst. Frau Erzberger gibt ihr Sektglas Fräulein Abdele, einer farbigen Offiziwersschülerin, die heute auch Nachtschicht hat. Frau Erzberger hat sie „zur Lehrunterweisung“ runter rufen lassen. Noch während ich versuche, mich durch irgendwelche Gedanken abzulenken, kommt der erste Schlag. Nach dem 7./8. Schlag glaubt man, die Haut am Gesäß würde aus Leder bestehen. Natürlich trifft sie nicht nur das Gesäß. Da kommen dann auch die ersten „Gnadengesuche„. Man ist so weit unten – es ist einem alles egal. Man verspricht Dinge, die man gar nicht hat. Man bittet und bettelt. Nach dem 10. Treffer tut nicht mehr nur der Hintern weh.

Oh nein! Du spürst die Schläge erst in der Wirbelsäule und dann immer höher – zum Schluß der ganze Körper bis zum Kopf. Mandy muß ihre Unterhose nicht ausziehen, im Beisein eines männlichen Insassen. Auch das ist eine Erniedrigung für uns junge Männer. Ich stehe nackt in der Ecke und zittere noch. Aber ich weiß aus Erzählungen, daß das bei der Züchtigung keinen Unterschied macht. Auch müssen Frauen sich nicht rücklings auf den Bock legen, sondern auf den Bauch und die Beine werden an den Vorderbeinen des Bocks festgebunden. Praktisch gebückt. Auch kein Vorteil, denn dafür werden Frauen oft auch auf den Rücken geschlagen. Wir haben „Glück“ heute nach etwa anderthalb Stunden werden wir wieder hochgebracht in unsere Verwahrräume. Ich werde gestützt. Es ist nach Mitternacht. Schlafen? Wie denn?

Mandy und ich dürfen an den nächsten zwei Tagen im Stehen essen. Das ist aber auch alles. Arbeiten müssen wir trotzdem. Aber es gilt als sicher, daß wirdie nächsten Wochen Ruhe haben werden vorm Salon. Ist ja auch was.

Teil 5

Bei mir kam die Erzieherin ( die war selber erst 24/25 ) abends rein und meinte: „Hey, ich hab deine Vormundschaft durch. Weißt du, was das heißt? Klar weißt du das. Ich hab auch die Verantwortung für die Steuerung deiner Familienplanung. Du kommst morgen auf den Stuhl! Also kein Frühstück

Bei erwachsenen Frauen waren sie da etwas vorsichtiger und sensibler, aber bei uns die haben uns richtig runtergemacht.Na ja, die waren wenigstens unter Vollnarkose, aber bei manchen haben sie wohl auch etwas mehr gemacht, die hatten Heidenangast davor, wenn es dann beim Appel hieß: „Nummer soundso – ab sofort Monatshose gestrichen!“ Da wußten alle Bescheid. Die Gebärmutter und alles drum herum. Es war immer gefährlich, wen bei der Untersuchung festgestellt wurde „Geschlechtsreife erreicht, voll ausgebildet„, da konnten die dann sowas machen.

DNZ, 12.Februar 1997:

„Die Leitung der Vollzugseinrichtung und die Erzieherinnen bezogen sich dabei auf eine Anweisung des Ministeriums des Inneren aus dem Jahre 1981, in dem es  unter anderem heißt „... ist dafür Sorge zu tragen, daß alle Insaßen der Station 04 möglichst innerhalb 8 Wochen nach Zustellung, spätestens jedoch 8 Wochen vor Erreichen der Volljährigkeit bzw. Mündigkeit durch geeignete Maßnahmen dauerhaft von der Fortpflanzung ausgeschlossen werden.“

Natalie Hahner, die Leiterin der Station 04, äußerte intern mehrfach voller Stolz, daß ihre Station “ komplett durchsterilisiert“ sei und daß dies der einzig richtige Weg sei,“diesem Lumpenpack Herr zu werden„. Rund 50 junge Menschen,in der Mehrzahl Frauen, wurden auf dieser Grundlage teilweise unter fadenscheinigen Gründen ( die Sterilisationen wurden oft als besondere Form der Bestrafung deklariert ) unfruchtbar gemacht. Zwischenzeitlich gab es sogar Überlegungen, ob Sterilisation ausreichend seien. Immerhin ließ die Formulierung „durch geeignete Maßnahmen“ insbesondere bei männlichen Insassen auch die Unfruchtbarmachung durch Kastration zu, was in mehreren Fällen auch nachweislich praktiziert wurde.

Teil 6 

12. Nackheit

Neben der allgemeinen Demütigung, die Insassen beiderlei Geschlechtes widerfuhren, erlitten insbesondere die männlichen Zöglinge zusätzliche Erniedrigungen durch erzwungene Nacktheit gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Forciert wurde doese Tatsache durch den Umstand, dass die Anstalt bis 1981 nur für weibliche Zöglinge unterhalten wurde. Sowohl die Kleidungsausstattung. als auch Räumlichkeiten sowie organisatorische und administrative Abläufe waren ausschließlich auf die Belange weiblicher Insassen ausgerichtet und wurden nach der „Zuführung männlicher Zöglinge“ auch nicht geändert. So gab es beispielweise keinerlei Unterwäsche für Jungen und auch keine separaten Hygieneräume. War eine zeitliche Trennung von Vorgängen nicht möglich, wurden sie für beide  Geschlechter zeitgleicu und am gleichen Ort durchgeführt. Ein deutliches Beispiel dafür war der alle zwei Monate statfindende  Besuch des Schwimmbades. Das war an jejen Tagen nur für die Anstalt reserviert. Immer drei Mädchen mussten sich eine  Umkleidekabine mit einem Jungen teilen, wobei die Mädchen schwarze Anstaltsbadeanzüge tragen durften, die Jungen jedoch – in Ermangelung vorhandener Badesachen für Jungen/Männer – völlig nackt teilnehmen mussten. Seitens der Erzieherinen wurden die Mädchen bereits vorab unterwiesen, dass diese ihre „Übermacht“ in der Kabine ausnutzen und dafür sorgen sollten, dass der Junge sich zuerst  entkleidet und dann umdreht, um die Mädchen bei deren Umkleidung „nicht mit seinen Blicken zu entwürdigen“. Solche und ähnliche Maßnahmen schufen im Mikrokosmos dieser Anstalt zwangsläufig eine Hierarchie, in der die Angehörigen des weiblichen Geschlechts über denen des mänlichen standen. Dies wurde weiter manifestiert durch die Tatsache, dass es sich beim Erziehungspersonal fast ausschließlich um Frauen handelte, die ihre Macht vor allem gegenüber den männlichen Zöglingen geradezu schamlos ausnutzten.- So war beispielweise der Begriff „Tanja“ bei den männlichen Insassen sehr gefürchtet. Es handelte sich hierbei um eine Damen-Miederhose, die in der DDR  unter diesem Namen vertrieben wurde. Sie gehörte zur Standardkleidungsausstattung der weiblichen Insassen der Anstalt, wurde als Straf- oder Erziehungsinstrument aber auch den männlichen Insassen verordnet. „Drei Tage mit Tanja“, war das Mindestmaß einer solchen Bestrafungsaktion und bedeutete, dass der betroffene Zögling sich unverzüglich vollständig zu entkleiden, dann in diesem Zustand zur Kleiderkammer zu laufen und dort die Hose in Empfang zu nehmen hatte. Anschließend durfte er sie anziehen und in den kommenden Tagen nichts anderes tragen.

Meist ,machten sich due Erzieherinnen noch den Spaß, dem Betroffenen eine viel zu große Hose für erwachsene Frauen zu geben. Der Insasse K. bekam beispielweise eine solche in der Größe 58 ausgehändigt. obwohl er damals lediglich die Konfektionsgröße 42 hatte. Über Nacktheit und Schamverletzung im Rahmen der individuellen Bestrafungen mittels Schlägen wurde bereits hinreiuchend ausgeführt. Dennoch muss dieser Aspekt auch in diesem Kapitel erwähnt werden, weil er zu einer besonders schweren Verletzung der jeweiligen Persönlkichkeit beigetragen hat. Völlig nackt, festgebunden, mit gespreizten Beinen und vor den Augen weiblicher  Insassen sowie Erzieherinnen, wurden junge Männer bestraft, in dem ihnen mit einem Lederriemen ins Geschlecht geschlagen wurde. Oft bis zur Bewußtlosigkeit. In das gleiche psychologische Schema fielen auch die anderen Maßnahmen der Manipulation an männlichen Geschlechtsorganen. In bereits erwähntem Erinnerungstagebuch des Insassen K. lesen wir:

Teil 7

Klar, jeden zweiten Freitag nicht alle. Einige haben sich abgefunden, andere sich aufgehängt und wieder andere sind frustriert und haben sich zurückgezogen, ab und an steht mal was im Netz, aber was bringt´s?. Na ja, man muss doch nur einen sich ausziehen lassen, nackt vor dem anderen Geschlecht.

Frauen mussten sich vor uns zwar fast nie ganz ausziehen vor Männern ( oder besser Jungs ). aber zumindest bis auf den Schlüpfer und das reicht eigentlich auch. Na ja – und da fanden sich 1000 Situationen. Eine Injektion in den Hoden.  na ja, die Angst hat zusätzlich betäubt. Die Spritze ging eigentlich, aber der Eingriff an sich, hat gebrannt wie Feuwer.

Und es kam der Tag, an dem auch ich „auf die böse Schwiegermutter“ kam. Sie haben mich früh zu zweit rausgeholt ( „Unterhose bleibt gleich hier, zieh das Hemd über und komm mit !„). Dann saßen wir im Warteraum und da kamen schon die ersten fiesen Sprüche. Ich krieg die gar nicht alle zusammen.

Frau Salewski: „Du mußt keine Angst haben, es wird alles halb so schlimm. Wir wollen dir nicht den Kopf abreißen, aber wir müssen dafür sorgen, daß du gewisse Dinge nicht mehr machen kannst, untenrum, du weißt schon. Du bist morgen dran. Deshalb gibt´s kein Frühstück. Gegen Mittag hast du´s dann schon hinter dir.“ „Und heul da drin nicht rum. Da passiert dir nichts. Du kommst heil wieder runter vom Stuhl – nur deine Vaterwünsche, die bleiben oben“ und lauter so was. Na ja, dann Aufruf in die Kabine. Meine Erzieherin kam mit rein und zeigte auf das Schild. Ich also alles ausgezogen und dann warten auf den Aufruf .

Na ja, dann kamen beim Warten wieder so Sprüche, weil auf dem Schild stand, dass Mädchen einen Rock anbehalten dürfen und für Jungs ( oder Männliche eben ) hier der Nacktbereich beginnt. Sie grinste und fragte, ob ich vielleicht einen Rock haben will. Ich hab nur auf den Boden geschaut. Na ja, dann hat die Schwester von der anderen Seite aufgemacht und wir gingen rein. Die Schwester brachte mich zum Stuhl und meinte „aufsitzen„. Weiß ich noch wie heute: „Aufsitzen„, nicht hinsetzen oder so. Dann dauerte es etwas bis die Ärztin mit den Erzieherinnen aus dem anderen Zimmer kam.

Die Ärztin kam von der Seite an mich ran und meinte ( fast wie meine Mutter ): „Na, ist etwas unangenehm.Ganz ohne,was? Aber wenn du gut mitmachst, ist bald alles vorbei“ und hat mir die Wange gestreichelt. Makaber. Ich überleg grad, wie sie´s gesagt hat. Sie ging auf die andere Seite und meinte: „Fühlst du dich zu nackt?“ Ich dachte, sie wollte mir was zum Zudecken geben oder so und habe genickt. Da hat sie sich auf so einen Roll-Hocker gesetzt und gesagt:„So, dann wollen wir dich mal RICHTIG nackt machen.“ Dann haben sie mir die Beine auseinander gemacht und an solche Dinger gebunden an den Knien und ich musste immer noch weiter nach vorn rutschen. Sie ist dazwischen gerollt und dann ging´s los. Ich hab geheult wie ein Schlosshund die ganze Zeit.

Die Ärztin hatte mal zwischendrin laut gesagt:

Kannst ruhig heulen, wenn dir hilft, aber lass deinen Schoß schon weit auf„. Dann hab ich auch mal gehört, wie Frau Salewski dieb Schwester gefragt hat: „Isser das?“ Aber statt ihrer hat die Ärztin geantwortet:  „Ja, der rechte„.

Da hab ich aufgehört zu heulen. Habe mich und alles aufgegeben.

Im Behandlungsraum- das woill ich nicht näher beschreiben, aber jeder kann sich das ungefähr ausmalen, wie man sich fühlt, in so einem Ding zu knien und nur ab und zu irgendein Besteckteil klappern zu hören. Man sieht nicht, was gemacht wird ( wer hat hinten schon Augenb?) und vor sich sieht man nur zwei Erzieherinnen mit verschränkten Armen, die dem Treiben völlig emotionslos folgen.

Dann plötzlich, nach vielleicht einer dreiviertel Stunde, metallenes Klimpern ( Besteck in der Schale ), eine Hand klatscht leicht auf den Hintern und die Ärztin sagt: „So, daswar´s. Der macht keine Schweinereien mehr.“ Darin noch: „Bringt ihn hoch und laßt ihm etwas Ruhe. Für die nächsten 5 Tage  müßt ihr ihm eine Unterhose oder sowas geben und sonst das Übliche, ihr wißt ja Bescheid.“ So was zu erleben ist schon schlimm genug.

Trotzdem denke ich, daß es ertragbar gewesen wäre, wenn es nur dabei geblieben wäre. Denn eigentlich ändern sich der Körper und Empfindungen nach einem solchen Eingriff wenig btw. gar nicht. Aberdaß man das nicht so erlebt, dafür sorgt das Personal.

„Die Beiden, die mit dem Jungen rein müssen, dürfen heute  ausnahmsweise mal im Rock auf den Stuhl und das Unterhemd zieht ihr auch erst drinnen aus „. Dann lachte sie:“Der ist am selben Tag wie ihr unterbunden worden, also keine angst, da dürfte nichts mehr passieren.“ Zu mir ergänzte sie dann: „Tja, K. keinen Rock an, was? Du ziehst Dich ganz aus und wartest nackt. Mußt Dich langsam dran gewöhnen, dass die Zeiten für dich vorbei sind, wo es was zum Schämen gibt. So, ab jetzt in die Kabinen.“ In der Kabine wartete schon der nächste Hammer. An der Tür, die zum Behandlungszimmer führte, prangte in roter Schrift ein Schild: „BEGIN NACKTBEREICH“ und drunter Erläuterungen.

Ich weiß nicht mehr, wie ich das alles seelisch überlebt habe, abewr an einen durchgängig roten Kopf und den Klos im Hals kann ich mich noch ganz genau erinnern. Ich konnte nicht mal schlucken. Dann ging die Tür von der anderen Seite auf, eine andere Schwester schaute herein, drehte sich um und rief nach hinten: „Wieso sind die hier noch nicht nackig?“Die erste Schwester antwortete: „Da is der Kerl mit drnm da woll´n wir mal nicht so sein. Rock und Unterhemd hab ich gesagt.“ Und dann etwas lauter, damit man es in der Kabine auch ganz sicher hört. „Aber der junge Herr, für den ist komplett ohne“. Da sagte die Schwester dann zu mir: “ SAlso los, hopp hopp!“ Sie stand mit verschränkten Armen und ich musste mich vor ihren Augen und im Beisein der anderen beiden Mädchen vollständig entkleiden. Als ich dann nackt war, herrschte sie mich an: „Und jetzt umdrehen, Gesicht zur Wand.“ Nach dem ich das gwetan hatte, hörteich sie zu den anderen beiden sagen: „Na los, Höschen runter und Blusen aus. Wenn ihr fertig seid, kann er sich wieder umdrehen.

So geschah es dann auch, ich wurde als letzter ins untersuchungszimmer gerufen. Die beiden Mädchen aus der Kabine standen vor einer Liege und waren schon fertig. Die Ärztin fragte mich, wie ich mich fühlen würde und ich antwortete: „Geht so.“Siew fragte mich was „Geht so“ den bedeuten würde und ob ich mich nicht wohl fühlen würde. Ich sagte, dass ich mich in der Tat nicht so richtig wohl fühlen würde, weil ich nackt wäre und die anderen nicht.

Da lachte  die Ärztin auf und meinte, so richtig nacht wäre ich doch gar nicht. Erst auf dem Stuhl würde ich ermessen können, was richtig nackt ist. Und außerdem solle ich mich nicht so anstellen, der Stuhl würde immer nackt bestiegen werden und auch die Mädchen vor mir hätten sichi vorher komplett ausziehe müssen und hatten auch kein Theater gemacht. Die Schwester wies mich an, auf den Untersuchungsstuhl zu steigen. Da kamen eine Reihe von Aufforderungen, die allein schon in ihrer Formulierung absolut entwürdigend waren. „Vorrutschen, Geschlecht an die Kannte“ oder „Schoß öffnen“ und so was.

Die Ärztin setzte sich auf einen Hocker vor mich und sagte: “ So und jetzt machen wirDich richtig nackt!“ Dann sagte sie zu der anderen Schwester: „Aufspreizen! Aber ordentlich!“

Teil 8

Mir laufen die Tränen in Bächen über das Gesicht ( Eva)

„Gebt ihm ein Paar tage eine UNterhose und dann sehen wir uns wieder beim Spermiogramm“. Ist das der Grund warum du niemals  geheiratet hast? Wie bust du danach umgegangen und wie gehst Du heute damit um?

Ja, die haben uns ja danach deswegen so fertig gemacht dass wir eine Frau ( oder die Mädels einen Mann ) gar nicht anzuschauen wagten. Schon am Tag eins danach kam die Erzieherin mit der Schwester rein und fragt süffisant lächelnd:“ Na, wie gehts denn unserem frischen Ex-Mabb heute ?“Und wenig später: „Sonst alles in Ordnung? Irgendwelche Beschwerden? Kommst du klar mit deiner Unfruchtbarkeit?

Das ist wie ein Stich ins Herz. Die Schwester legt derweil ein frisches Handtuch und eine hautfarbene derbe Unterhose auf den Stuhl neben meinem Bett.“Die ist aus der Frauenabteilung. Es ist grad nichts anderes da. Bist ja jetzt sowieso operiert, da kommt´s eh nicht mehr so drauf an“, höre ich Frau Erzberger wie aus weiter Ferne.

Das waren keine Menschen, das waren Monster.  ( Ich habe sie kennengelernt als IMS Ärzte_ IMS „Pit“, IMS „Nagel“ und IMS „Georg Husfeldt“ -Adam Lauks)

Als ich zum ersten Spermiogramm gebracht wurde, hat sogar die Ärztin geschimpft.“Freilich könnt ihr ihm auch ne Miederhose geben. Aber die hier ist doch viel zu groß. Da hat er doch, wieso zu groß ? Die war von einer älzteren, etwas korpulenten Insassin.

Ja, ich dachte eher das zu eng Schmerzen bereiten. Nein nach so einem Eingriff soll man was Enges tragen. Na ja, jedenfalls lag ich abends im Bett und da kam der Nachtdienst rein. Die einzige Erzieherin die einigermaßen okay war. Ich hab sie gefragt, ob man das nicht rückgängig machen könnte. Aber wahrscheinlich nicht, oder?

Da hat sie gelacht und gesagt: „Schätzchen, vergiss es. Draußen ja, da schneiden sie das eifach nur durch. Bei euch machen sie das richtig. Deine Samenleter sind raus, Thomas!„.

Wenn man das einem Wessi erzählt, der meint das ist Siencew Fiktion und alles erfunden. Die meisten können sich nicht mal im Ansatz vorstellen, was da drüben ( in der DDR) abgelaufen ist. Das hat ja zu 60% noch nicht mal die eigene Bevölkerung gewußt und dann musste ich halt noch 3 x zum Spermiogramm machen.

Die Hölle der Erniedrigung. Die beruhigen sich dass das nur Exttremfälle sind.

Sorry, ich dachte, ich hätte die Hölle mitgemacht, aber deine war größer.Jeder hat seine eigene Hölle und mit der muss er leben ob er will oder nicht.

Wie bist damals damit umgegangen und wie ist das heute?

Na ja, damals das war so schlimm. Wir wurden ja danach erst richtig gedemütigt. Gerade mit nackt ausziehen und so, sich lustig machen oder all so was, nur weil wir „Sterilisierte“ waren.

Dir haben sie doch die Nüsse geknackt, oder ? Also ausziehen los!“ und so weiter. Und wir wurden auch „geschult“, dass wir für das andere Geschlecht jetzt minderwertig seien und so. Oder die Frauen. Ich habe oft Rachegedanken gegenüber der damaligen Peinigern gegenüber.

Was willst Du? Einen BH beantragen? Hey, an deinem Euter häengt doch eh nie ein Kind, da ist doch scheißegal, ob die Dinger schlaff sind oder nicht. Da erkennt man euch wenigstens von weiten.Hau ab!“ Man konnte sogar nackige Mädchen und Jungs zusammensperren. „Kan doch eh nixpassieren!“ Ab da wurden wir auch nicht mehr getrennt zum Enthaaren geschickt und lauter so was.

Ich kann das nicht annähernd nachvollziehen.

Mest nach Dienstschluss des Personals, durften wir in „Tracht“ rumlaufen, das heißt, in Unterwäsche.

Wieso durften?

Na ja, durften halt. Ansonsten die Hemden. Eine Art Nachthemd, aber schlimm. Oft viel zu kurz, manche ohne Knöpfe ( für die Mädchen vor allem unangenehm). Einmal musste ich zur Erzberger und die meinte, dass sie sehr zufrieden war mit mir und ob ich mit runter zum Tischtennis wollte. Ich sagte ja. Da meinte sie, dass da unten auch Mädchen waren.

Oh nein, ich ahne was kommt !!! „Die spielen in Tracht“. Genau – richtig geahnt. Ich musste  nackt da mitspielen. Oh Himmel !

Auch Spermiogramm, das war so was von demütigend, das glaunt einem Keiner. Die haben geprüft ob da noch was ist. Ja, die Anzahl der lebenden Spermien. Da steht man im Zimmer. Die Ärztin am Schreibtisch. Die Schwester zieht sich die Handschuhe über und los geht´s! Die beiden unterhalten sich dabei! Die Frau hätte man erschießen müssen!

Man schleicht zurück, schaut nicht mehr nach oben oder sowas, nur nach unten. Selbstbewußtsein kaputt.

Glaube ich dir auf´s Wort.

Einen Sterilisierten darf man auch woanders hin schlagen, nicht mehr nur auf den Hintern. Ist ja  eh nur Abschaum.

Wie geht es Dir heute ?

Der Alltag geht so. Aber na ja, fühle mich minderwertig.

Heißt das, das Du immer allein bist? Das Du es nicht wahgst, dich einer Frau zu offenbaren?

Welche Frau will sowas schon. Ist ja nicht nur, dass ich unfruchtbar bin.

Was heißt das? Ich versteh nicht… Es gibt doch auch Frauen die keine Kinder wollen.

Zitat:

„Da mit einer Sterilisation zwar das Problem der Fortpflanzung, nicht jedoch das des Koitus bewältigt war, nehmen die Anstaltsleitung und eigene Erzieherinnen dies zum Anlass, die Maßnahmen neu zu überdenken. Möglicherweise werden einige im Wissen, dass es zu keinen Konsewquenzen, also Schwangerschaften führen kann, jetzt noch umso zügelloser sexuellem Treiben nachgehen wollen“

Heißt das… Oh nein !!!!!

Als sie 17, 18 und 19 Jahre alt waren, mussten 6 der 8 sterilisierten  männlichen jungen Männer erneut mit den Erzieherinnen im Med-Raum erscheinen und dort wieder, wie die Ärztin zynisch formulierte, ihren „Schoß öffnen“. Du auch ? Das sitzt hier vorm PC auf dieser Seite. Ich habe keine Worte…

„Alles antreten zum Mittagessen! Die sterilisierten ganz hinten!, „Klamotten runter. Schämst du dich etwa? Warum? Da ist doch nichts mehr zum schämen“

Teil 9

Dann kam der erste Mitwoch der Nachuntersuchungen. Ich saß mit 8 ebenfals sterilisierten Mädchen ( wir waren alle im Alter zwischen 16 und 18 ) im Wartezimmer. Obwohl wir praktisch das Gleiche hinter uns hatten, waren die Situatiinen doch sehr verschieden. Ich war der Außenseiter. Saß abseits im Wartezimmer, während sich die Mädchen austauschen konnten, sich „darüber“ unterhielten, Ängste und Befürchtungen teilten. Und sie flüsterten. Denn zwischen ihnen und mir war die Mauer des Geschlechtsunterschiedes. Dann ging die Tür auf und die Schwester wies uns lautstark und ohne  Umschweife ein. An den Wortlaut kann ich mich noch heute fast genau erinnern, weil ich schockiert war.

So, es geht los. Wir haben drei Kabinen. Also geht`s flott von der Hand. Ist ein bissel blöd für den Jungen, aber nicht zu ändern.“ Dann sah sie auf ihren Zetteln und las Namen vor, die jeweils in die Kabinen mußten. Da ich der einzige männliche Jugendliche war, mußte ich mit zwei Mädchen rein.“So! Immer zu dritt Sybille Zimmerman, M.S.,C.H – Kabine 1: B.E., R.K..m B.W.-Kabine 2; M.F., C.B., K.K.-Kabine 3. Alles komplett ausziehen,  frisch machen und warten. Die Beiden, die mit dem Jungen rein müssen, dürfen den Rock anbehalten.

Ich ahnte was das zu bedeuten hatte, aber trotzdem wagte ich einen Versuch.“Und ich?“, fragte ich wobei ich merkte,dass meine Stimme nicht ganz gehorchte. Die Schqwester musterte mich kurz und zischte dann: „Deiner Cousine, der hast Du doch deren Schwarz gezeigt, obwohl sie einen Rock anhatte? Hast sie sogar vergewaltigt. Und hier zickst du jetzt rum?“ Ich sah nur stumm geradeaus.

Sie packte mich am Genick, schob mich in die Kabine und fauchte mir ins Ohr: „Pass auf, Freundchen, kann sein, dass du noch nie Achtung vor Mädchen hattest, aber hier bringen wir dir so was bei, da kannst du dich drauf verlassen. Und als erstes lernst du Respekt. Du wirst ab heute jedes Mädchen um seinen Rock beneiden. Jedes.“

Dann verließ sie die Kabine und sagte zu Barbara und Beate: „Und jetzt rein da.“ An der Tür, die  von der Kabine in den Behandlungsraum führte, standauf einem Schild in großen roten Buchstabewn „Beginn Nacktbereich“. Jedesmal, wenn ich das laß, kam ich mir wie ein Schwein vor der Schlachtung vor. Wir drei saßen in der engen Kabine. Barbara ( Bärbel ) machte keine Anstalten, sich auszuziehen.

Dann flog unsere Kabinentür auf und die Schwester bellte: „B!“. Tür zu. Ich war mit Bärbel allein. Sie hatte nur ihren Schlüpfer unterm Rock ausgezogen. Heute ist mir klar, dass die Erzieher mit solchen Situationen die Beziehungen unter uns und damit die Atmosphäre vergiften wollten. Bloß nicht zulassen, dass die Insaßen sich solidarisieren. Immer für Unterschiede sorgen. Mal den einen bevorzugen, mal den anderen benachteiligen. Heute sollte ich der Benachteiligte sein. B.war eine erwachsene Frau. Sie hatte entsprechendes An- und Aussehen und ihr Wort hatte unter uns Insaßen Gewicht.

Sie sah mich an und sagte:“Brauchst dich nicht umdrehen. Ich zieh mich vor dir nicht aus, da kann die Nitzschken ( die Schwester hieß Nietzschke ) machen was sie will. Auch oben rum nicht“

Mir war es egal, aber ich habe ihren Mut bewundert, sich zu widersetzen. Zwar erfuhr ich hinterher, daß sie am Freitag darauf im Salon war und geschlagen wurde, aber sie hat sich wiedersetzt.

Später, als auch ich so weit ewar, wusste ich warum man so was tut und dass dazu nicht viel gehört.

Es kommte der Punkt, wo die Vertweiflung so groß ist, dass einem alles egal ist. Da will man es ein letztes Mal zeigen. Ja, wenn man Würde hat. Sich auf den Rücken legen, das Herz entblößen und sagen:“Stich zu, du Dreckschwein!“ So setzte sich das mit lauter Sticheleien und Verletzungen wochenlang fort- bis man selber dran glaubt, daß man nur noch ein Mensch zweiter – ach: dritter oder vierter Klasse ist.

Zuletzt kamen dann die Spermiogramme. Das ist der Tiefpunkt, denn in dem Moment ist man nicht ein Mensch vierter Klasse, sondern schon in der nächsten Stufe: ein Tier – auf allen vieren kniend.  Zurück in den Verwahrraum ein letztes Mal weinen – ja heulen, flennen, Rotz und Wasser. Der Körper bäumt sich ein letztes Mal auf. Alles, was er an Anstand und Würde  besitzt, hat sich aufgerafft, ihn zu verlassen. Es ist besser so. Man braucht diesen Luxus nicht, wo es  nur noch ums Durchhalten geht.

„Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Auszeichnung und möchte Ihnen sagen,dass ich mich in Vorbereitung und Ausführung des Eingriffs jederzeit bei Ihnen gut aufgehoben fühlte. Ich bin sicher, dass Sie auch in Zukunft das Vertrauen der Ihnen anvertrauten Bürger rechtfertigen werden.“

Sie hat gelächelt und gesagt, „Siehste, und du hattest so ne Angst….EINTRETEN!“ Dieser Satz wurde vorher geprobt bis zum Umfallen, aber ich musste das tun, doch lieber hätte ich sie umgebracht, das kannst Du mir glauben Eva.

Teil 10

Der Grund für das Alles

Wie ich Dir bereits sagte, war Ina ( meine Cousine ) mal gut und mal schlecht zu mir. Je nach Laune. Und sie war so launisch, dass man das nicht einschätzen konnte. Es passierte zwei Tage  nach dem zuerst Ina und dann ich von Tante Hanne bestraft wurde. Mit dem Gürtel! Sogar bei Ina konnte ich ansatzweise Striemen auf den Oberschenkeln sehen. Ina hatte offensichtlich Wut auf Tante Hanne.

Sie kam aus der Schule, warf die Schultaschew in die Ecke und sagte fröhlich:

„Komm mit in mein Zimmer und mach dich gleich nackt.“

Das kannte ich, Strafe! Aber diesmal war es anders. Sie sagte: „Du hast noch nie was mit einer Frau gehabt, oder?“ Ich habe genickt. Da meinte sie: „Scheiß auf die Alte, komm, ich zeig dir was.“ Sie hat es mir gezeigt, fragte mich, ob es mir gefallen würde und so und hat mir auch gezeigt, wie es Mann und Frau machen.

Ina war größer als ich und richtig als Frau entwickelt. Ich war ziemlich aufgeregt. Sie hat sich freilich nicht ganz ausgezogen. Hat mal kurz an einer Brust den BH ein Stück runtergemacht, damit ich mal ein Stück von ihrer Brustwarze sehen kann. Ich durfte den BH auch mal streichekn und dann zeigte sie auf ihren Rock.

„Na komm. Kannst ihn mal reinstecken. Aber nur mal kurz! Und ja nicht hingucken!“ Sie hat mich dabei sogar geküsst.

Dieses „kurz“ war leider für mich ein wenig zu lang. Es war passiert, kaum dass ich halbwegs darin war. Ina hat mich sofort geohrfeigt und mich angeschrien. Leider blieb es nicht dabei. Ina wurde schwanger, musste abtreiben lassen.

Ich hatte seit dem nichts mehr zu lachen. Weder zu Hause noch sonst wo. Der Vorfall wurde untersucht. Inzest und so. Bei der Untersuchung kam auch das raus, was ich bei meinen Eltern durchgemacht habe, aber das hat wenig interessiert.

„In dieser Verhandlung geht es um Inzest. Das andere muss in einem anderen Verfahren geklärt und geahndet werden.§ Die Rechtsanwältin, die wir erst gemeinsam hatten, hat die Sache so gedreht, dass ich der Schuldige war und dann Ina als Nebenklägerin vertreten. Ich wurde nach Jugendrecht verurteilt und kam in die „Sonderanstalt“ ( EA ). Das Sorgerecht für mich hatte der Staat. Das musste Tante Hanne unterschreiben. Tante Hanne und Ina wussten da schon von der Rechtsanwältin, dass ich sterilisiwert werden sollte. Laut Ina.

„Sie sagte  das nicht so deutlich. Aber sie meinte, Waldheim/Meerane wird grade umstruktuiert. Die nehmen jetzt auch männliche Insassen auf.  Wenn er dahin kommt, kann es passieren, dass man ihm die Möglichkeit zur Fortpflanzung nimmt. Das wurde bisher nur bei Mädchen gemacht, aber ich habe gehört, sie wollen jetzt auch bei jungen Männern damit anfangen. Bei Mädchen waren sie  bei so was bishewr immer recht schnell, deshalb können wir froh sein, dass wir Ihre Ina da rausgeboxt haben.“

Als die Anwältin mal bei uns war und mit Tante und Ina redete, habe ich in der Küche einiges mitbekommen. Eher so Wortfetzen. „Das ist nicht zu ändern.“…“Das ist die Konsequenz.“…“Damit haben Sie dann nichts mehr zu tun.“ Und  ähnliche Dinge.

Im Ohr hab ich noch „keine ausreichende Genugtuung für Ina, aber für ihn persönlich sehr, sehr schlecht.“

Und dann hab ich zum ersten Mal das Wort gehört:“…Ja, er bekommt dann eine Sterilisationsbetreuerin. Meist eine Erzieherin aus dem Heim.

Ich konnte mir einiges zusammenreimen, aber das war so ungeheuerlich, dass ich nicht glauben konnte, dass ich den wirklichen Sinn tatsächlich erfasst hätte. Beim Verabschiewden hab ich die Anwältin gefragt:

„Und was wird nun mit mir? Was haben sie da eben alles gesagt?“ Sie guckte fragend zu Hanne. Die wiederum meinte: „Du kommst wohin, wo man dich richtig erzieht und wahrscheinlich machen die da auch, dass du nicht noch mal jemanden schwanger machen kannst.“

Ich hab die Anwältin angeschaut und gefragt: „Stimmt das?“ und da meinte sie: „Das ist noch nicht raus. Manchmal wird so was gemacht. Muss das gemacht werden.“

Da ist man natürlich wie elektrisiert und will jeden Strohalm greifen, der in der Nähe ist.

„Was kann ich tun, damit das nicht passiert? Kann ich überhaupt noch was tun? Wovon hängt das ab? Wie wird das gemacht? Was wird da gemacht? Sagen Sie es  mir doch bitte. Sie müssen das doch wissen.“ – Und alle Fragen, die sie nicht beantwortete. Sie stand ja schon in der Haustür. Zuletzt habe ich sie gefragt: „Und wenn ja, wann wird das dann gemacht?“ – Da hat sie mir kurz den Kopf gestreichelt, mich ganz komisch ( traurig? ) angeschaut und leise gesagt: „Die fackeln nicht lange.“

Über diese Anwältin kann ich Dir später noch einiges erzählen…

So, jetzt weißt Du die Wahrheit und ich hoffe, Du glaubst mir, dass ich in dieser Situation überfordert war und kein „Halbgeschwister-Ficker“ bin. Auch wenn´s „nur“ die Cousine war. Bitte glaub mir, ich wollte das nicht. Ich schäme mich dafür,ja!

Aber ich bin nicht so einer. Wirklich nicht. Ich konnte zu dem Zeitpunkt wirklich nicht anders. Es war die Situation, Eva. Bitte glaub mir.

Ich hab mir seit dem nächtelang den Kopf zermartert, was passiert wäre, wenn ich nicht Opfer meiner Unerfahrenheit und der Gewalt in dieer Famile geworden wäre.

Teil 11

Gegen das, was uns im Winter erwartete, war die normale Arbeit in der Spinnerei geradezu eine Erholung. Im Winter ging es in die Braunkohle! Im Tagebau bei Böhlen hieß es. Schienen und Schwellen durch Matsch und Schnee schleppen, Weichen und Schienen eisfrei halten, Schnee räumen usw.

Eine viehische Arbeit.

Klar, wir waren der Rest der Gesellschaft und bekamen folglich den Rest an Arbeit – all das, was die  „Normalen“ nicht machen wollen oder brauchen. Unsere Ausrüstung war denkbar schlecht. Es gab dort normale Arbeiter, dann auch Studenten, Soldaten aus der Armee und auch Häftlinge anderer Anstalten. Alle hatten witterungsgerechte KLeidung. Wir hatten nicht mal Filzstiefel! In Gummistiefeln, in denen wir zusätzlich zu den Socken noch Fußlappen trugen, schleppten wir uns durch Eis und Matsch. Ich kann nicht sagen, was von beiden angenehmer oder unangenehmer war.

Als wir wieder einmal eine schwere Eisenbahnschiene durch Eismatsch schleppten, blieb ein Stiefel stecken. Nun durfte ja niemand „einfach so“ mal irgendwohin gehen. Also fragte ich, nach dem wir die Schiene auf die Schwelle abgelegt hatten, ob ich meinen Stiefel holen durfte. Da bekam ich von der Aufseherin erstmal eine Ohrfeige und dann nahm sie mich mit in den Bauwagen, in dem die Aufseher und Erzieherinnen saßen. Ich war restlos durchgefroren und bekam erstmal einen regelrechten Schock, als ich den Wagen betrat.

Es war eine andere Welt, angenehm warm und es roch nach Kaffee. Es roch nach Zivilisation.

Die Aufseherin teilte mit, daß ich unachtsam mit Volkseigentum umgegangen wäre und daher nur noch einen Stiefel hätte. Meine Erzieherin stand auf, nahm den Gürtel vom Garderobenhaken und sagte nur: „Mach 10 Stück!“. Sie konnte in dem engen Bauwagen zwar nicht weit ausholen, aber wer noch nie Schläge auf völlig durchgefrohrene Haut  bekam, der kann nicht in Ansätzen mitfühlen, was man da durchmacht. Jedenfalls wußte ich jetzt, was es zu bedeuten hatte, wenn sie einen von uns in den Bauwagen brachten.

Dann dzrfte ich meinen Stiefel wieder holen. Natürlich nur in Begleitung einer Aufsichtsperson. Und weil die sich nun auf dem Weg zum „Tatort“ ihre Stiefel schmutzig machte, kündigte sie mir unterwegs gleich noch an, daß ich dafür am Freitag im Salon über den Bock komme. „Fünfundzwanzig – verschärft!“, zischte sie. Dioe Woche war gelaufen. Vor Kälte taube oder zumindest ganz gemein kribbelnde Hände, taube Füße – das war sdie Tagesordnung dort im Winter.

Dazu bei vielleicht bei minus 10 Grad ( der Winter 1985 war hart ) schwere, eiskalte Eisenbahnschienen durch vereistes oder vermatschtes Tagebaugelände tragen – meist zu viert… es war die Hölle.

Manchmal, wenn wir Kontakt zu anderen Arbeitern dort hatten ( für uns galt absolutes Redeverbot ), fragten die ungläubig:

„Was sollen die Frauen hier? Das kann doch nicht sein!“ Da hab ich zum ersten Mal darüber nachgedacht, was hier von den Frauen abverlangt wird. Das Gleiche wie von uns. Und keine ist zusammengebrochen. Mein Respekt davor war enorm und ist es heute noch.

Soll ich sagen, daß das Essen gut war? Ich weiß es nicht. Aber jedenfalls war es heiß – und daswar das  beste daran. Ich hätte auch heißes Wasser als Gourmet-Speise empfunden. Allein die warme Temperatur des Essens oder des Tees sorgte dafür, daß man regelrecht trunken wurde davon und es einem in diesem Rausch Scheiß-egal ist, ob das Zeug nun schmeckt oder nicht. Aber auch hier mußte man aufpassen und durfte nicht zu viel trinken, denn die Toilettenzeiten waren so eingerichtet, daß wir erst wieder durften, wenn wir zurück sind. Also am Abend. Und für heimliche Verrichtungen war die Kleidung trotz aller Mängel nicht geeignet. Gab es in der Anstalt aus organisatorischen Gründen fast nur Frauen-Kleidung ( auch für uns Handvoll Jungs ).

So war es hier, ebenfalls aus organisatorischen gründen, genau umgekehrt. In der Anstalt oder in der Spinnerei konnte man schnell mal „abducken“. Hinhocken, Kittel hoch und schnell machen. Das war hier auf Grund der Kälte und der Kleidung ( Hosen ) völlig ausgeschlossen – auch für die Frauen. Außerdem gab es in einem Tagebau kein einziges Fleckchen, wo man mal allein war. Alles so kleine Problemchen, an die man erst denkt, wenn es zu spät ist – die man sich dann aber einprägt und sich stets danach richtet.

 

Über stasifolteropferadamlauks

I am 66 Years old and I do promote acommodations on the adriatic´s sea beaches for holiday in apartments close to the sea-close to the mediteranian beauty. I am still victim of torture in STASI-Prison 1982-1985. I never reacht Justice and satisfaction by Germany´s goverment after 30 Years ! I am fighting for the implementation of § TORTURE in Germany´s low.
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