16. April 1945, Schlacht um die Seelower Höhen – Göbbels Kriegspropaganda wirkte bis zuletzt

Honor et decorum est pro patria morire! Gedenken und Ehrung ist Pflicht für die Ewigkeit. Respekt für den Botschafter und Schande auf das Auswärige AMT und Deutschland unter dieser Führung!

Der russische Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, hat an einem stillen Gedenken an die Schlacht auf den Seelower Höhen teilgenommen – trotz einer Empfehlung zum Ausschluss. Das Gedenken zum 80. Jahrestag in Brandenburg wird von der Debatte über eine Handreichung des Auswärtigen Amts überschattet, keine Vertreter von Russland und Belarus zu solchen Veranstaltungen einzuladen. Auch der Gesandte Botschaftsrat von Belarus in Deutschland, Andrej Schupljak, nahm teil.

Bei der Schlacht kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren unter anderem Zehntausende ( 33.000 ) sowjetische und 5.000 polnische Soldaten gefallen. Der Landkreis Märkisch-Oderland und die Stadt Seelow, die die Veranstaltung organisieren, hatten die Vertreter von Russland und Belarus nicht aktiv eingeladen. / Na und? Dafür braucht es keine Einladung – nicht von Besiegten!* / Sie legten ihnen aber auch nicht nahe, das Gedenken zu verlassen, sondern kritisieren die Handreichung. Vize-Landrat Friedemann Hanke (CDU) hatte sie als „Quatsch“ bezeichnet.

„Es ist ein diplomatisch – sagen wir es mal vorsichtig – nicht sehr freundlicher Akt gegenüber den Nachfahren der Menschen, die hier begraben liegen“, kritisierte BSW-Landtagsfraktionschef Niels-Olaf Lüders. „Ihnen untersagen zu wollen, an die Gräber ihrer Vorfahren zu gehen, finde ich absolut unakzeptabel.“ Die Empfehlung sei „ziemlich geschichtsvergessen und unangemessen“.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Sina Schönbrunn nannte die Handlungsempfehlung des Auswärtigen Amts „absurd“. „Natürlich kann man alles instrumentalisieren, aber uns sollte es doch heute vor allen Dingen darum gehen, der Toten zu gedenken“, sagte sie dem Inforadio des RBB. „Wir müssen hier nach vorne schauen.“ Es sei ein mahnendes, stilles Gedenken.

In der Handlungsempfehlung des Auswärtigen Amts heißt es, dass es im Inland grundsätzlich keine Teilnahme offizieller Stellen an Veranstaltungen auf Einladung von Russland und Belarus sowie keine Einladung an russische und belarussische Vertreter zu Gedenken von Bund, Ländern und Kommunen geben solle. Dies wurde der Deutschen Presse-Agentur aus Kreisen der Landesregierung bestätigt. Dabei soll auch vom Hausrecht Gebrauch gemacht werden können.

Mit der Empfehlung will das Außenministerium eine Instrumentalisierung des Zweiten Weltkrieges durch Russland zur Rechtfertigung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine verhindern. Die „Berliner Zeitung“ hatte zunächst über die Handreichung geschrieben. Die Schlacht um die Seelower Höhen gilt als größte Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden. Auf deutscher und sowjetischer Seite starben laut Gedenkstätte Museum Seelower Höhen Zehntausende Soldaten.

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Vom sowjetischen Soldatenfriedhof auf den Seelower Höhen hat Michael McNally das Oderbruch im Blick. An diesem sonnigen Frühlingstag liegt die Ebene ruhig und idyllisch da, blühende Weißdornsträucher setzen Farbtupfer ins Grün. Der Verkehr auf der Bundesstraße von der polnischen Grenze bei Kostrzyn (Küstrin) nach Berlin ist nur leise zu hören.

McNally versucht sich das Unmögliche vorzustellen: Wie diese stille Idylle vor 80 Jahren zur Hölle wurde. Er hat dabei einen Vorteil: Der Mann ist vom Fach. Er bannt solche Höllen zwischen Buchdeckel. Für einen britischen Fachverlag hat der in Köln lebende Ire mehrere Bücher über Schlachten des Zweiten Weltkriegs geschrieben, etwa über die schweren Kämpfe im Hürtgenwald bei Aachen zwischen der Wehrmacht und der US-Army 1944.

Nun ist er mit zwei Begleitern auf Tour durch Brandenburg, kurz vor dem 80. Jahrestag des Kriegsendes 1945. Wir treffen ihn zufällig hier oben am Aussichtspunkt unterhalb des Denkmals, das die Rote Armee unmittelbar nach dem Sieg in Auftrag gab: Ein überlebensgroßer Soldat der Roten Armee mit einer Maschinenpistole steht neben dem Turm eines zerstörten deutschen Panzers.

Ein Jahrestag in turbulenten Zeiten

Es ist ein Jahrestag in turbulenten Zeiten. Vor mehr als drei Jahren überfiel Russland die Ukraine. Seit drei Monaten stiftet der neue US-Präsident Donald Trump Verunsicherung, indem er die Grundlage der Nachkriegsordnung in Europa infrage stellt: die Bündnisverpflichtung der USA gegenüber den europäischen Nato-Staaten. Die Angst vor einem neuen großen Krieg in Europa ist seit Putins Invasion der Ukraine stetig angewachsen, und besonders spürbar ist sie hier in Seelow, an einem zentralen Ort des letzten großen Krieges.

Die Gebeine von 7000 Sowjetsoldaten liegen hier. 66 von ihnen haben gleich nach Kriegsende eigene Grabsteine bekommen, mit Geburts- und Todesdaten. Die meisten von ihnen starben mit Anfang 20, um einen Krieg zu beenden, den Adolf Hitler und die Deutschen begonnen hatten.

/ In der Schlacht um Seelower Höhen sind 33.000 Soldaten der Roten Armee und 5.000 Polen gefallen. und nicht 7.000, Herr  Experte McNally; ist  es Unwissenheit des „Kriegsexperten“ oder abwertende Propaganda  gegen die Befreier von Faschismus !? – Wiviel USA und Britische Soldaten sind im ganzen Krieg gegen Hitler in Deutschland gefallen ?* /

Es ist schwer, das Gedenken an die Vergangenheit, die diplomatischen Verwicklungen der Gegenwart und die Furcht vor der Zukunft nicht zu vermischen. Auch Michael McNally, der Experte für vergangene Schlachten, ist unsicher, was die nächsten Jahre bringen könnten. „Die Karten werden neu gemischt“, sagt er. „Die Europäer stehen zusammen, das ist zumindest ein gutes Zeichen in der Unsicherheit.“

Wie kann man in diesen Tagen an das Kriegsende 1945 erinnern, an diesem Ort, wo der von Deutschland in den Osten getragene Krieg mit seiner ganzen zerstörerischen Wut zurückkam? Indem man die Vergangenheit nicht mit der Gegenwart vermengt, sagt McNally: „Die, die hier gefallen sind, wussten nicht, was noch kommt. Wir müssen ihrer mit Respekt gedenken, nicht mit dem Blick von heute.

Im Oderbruch und auf den Seelower Höhen tobte die letzte große Schlacht des Zweiten Weltkriegs in Europa. 70 Kilometer sind es von hier auf dem direkten Weg zum Berliner Reichstag. In den frühen Morgenstunden des 16. April 1945 brach hier das Inferno los: Ein Trommelfeuer aus zehntausenden sowjetischen Artilleriegeschützen färbte den Himmel „glutrot, als wollte er jeden Augenblick zerspringen“, so formulierte es der deutsche Soldat Friedrich Schöneck in seinen Erinnerungen. „Das ist ein Orkan, der über uns, vor und hinter uns alles zerreißt“. Vier Tage und Nächte dauerte die Schlacht, doch bereits seit Ende Januar 1945 gab es erste Kämpfe entlang der Oder.

Die Schlacht um Berlin

 

Die Schlacht um Berlin war die letzte und zugleich die blutigste des Zweiten Weltkriegs. 2,5 Millionen Sowjetsoldaten, 6250 Panzer, 41.000 Geschütze und 7500 Kampfflugzeuge griffen auf einer Linie von 300 Kilometern Breite an. Im Süden an der Neiße stand Marschall Iwan Konews 1. Ukrainische Front, in der Mitte, auf dem kürzesten Weg nach Berlin, Marschall Georgi Shukows 1. Weißrussische Front, weiter nördlich Marschall Konstantin Rokossowskis 2. Weißrussische Front.

Shukow bot an den Seelower Höhen eine knappe Million Sowjetsoldaten auf, denen 130.000 Deutsche gegenüberstanden.

Shukow opferte allein zwischen dem 16. und 19. April 1945 rund 33.000 Männer, um den deutschen Widerstand auf den Seelower Höhen zu brechen und als Erster nach Berlin vorzustoßen. Die Opferzahlen in den letzten Kriegswochen insgesamt gehen in die Hunderttausende.  Dazu 5000 polnische Soldaten nicht vergessen!

Mit langen Schritten eilt Robert Nitz den Hang zur Gedenkstätte hoch. Der 36-Jährige ist seit 2023 Bürgermeister von Seelow. Als Parteiloser besiegte er in der Stichwahl den AfD-Konkurrenten mit 68 zu 31 Prozent – und das in einer Region, die wie ganz Ostbrandenburg absolute AfD-Hochburg ist. Er war Berufssoldat bei der Panzertruppe, studierte BWL und Verwaltung – und ist nun als Kind der Wende für die Erinnerung an eine Zeit zuständig, die vielerorts immer mehr aus dem Blick rückt.

 

Bei dieser historischen Rekonstruktion der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs, von Ingar Solty verfasst, handelt es sich um eine vierteilige Reihe. Dies ist der zweite Teil.

Es ist der 16. April 1945 und die Schlacht um Berlin leitet das Ende Nazideutschlands ein. Ihren Ausgang nimmt sie an den Seelower Höhen. Sie sind Teil des äußeren Verteidigungsrings der Stadt. Als der Kampf um die Reichshauptstadt nun bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen von 10 Grad Celsius beginnt, sind circa 2,7 von 4,4 Millionen Berlinerinnen und Berlinern in der Stadt übriggeblieben. Zwei Drittel davon sind Frauen sowie ansonsten vor allem Jungen unter 16 und Männer über 60 Altersjahren. Diese Bevölkerung setzen die Nazis nun dem Kriegsende aus.

Die Bevölkerung ist kriegsmüde, Wehrmachtsgeneräle beschweren sich über die Truppe, die „völlig apathisch“ sei, und man ist dazu übergegangen, „zur Erhaltung der militärischen Disziplin“ Soldaten zu erschießen, befürchtet aber zugleich, „daß der Zeitpunkt eintreten“ wird, „wo derartige Maßnahmen wirkungslos bleiben“ werden. Während nun also die „Goldfasane“ auf der Suche nach Deserteuren umherschwirren, SS, Gestapo, Wehrmacht und Polizei die Kriegsmüden exekutieren und die Endphaseverbrechen zur systematischen Beseitigung ihrer antifaschistischen Gegner forcieren, zwingt der Staat unausgebildete 14- bis 16-Jährige sowie die Alten in den schon am 25. September von Hitler befohlenen und am 18. Oktober verkündeten Volkssturm. „Da sind wir hingekommen“, schreibt der Schriftsteller dokumentarischer Kriegsromane Theodor Plivier, „wir verheizen bereits das Saatgut.“

Indes werden nicht alle dies später so sehen. Der vom Nazi-Marinerichter zum baden-würtembergischen Ministerpräsidenten aufgestiegene Hans Filbinger (CDU) wird später gegen die Rehabilitierung der Deserteure argumentieren: „Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein.“  ( „Drehergesetz“ des BGH vom 24.5.1968 machte die Mörder zu Totschläger, damit zu ehrbaren und unbescholtenen Bürger, den Totschlag verjährte nmach 20 Jahren* ) Auch Siegfried Lenz’ erster Roman über einen „Überläufer“ wird nach dem Krieg nicht gedruckt werden können, während Alfred Anderschs „Die Kirchen der Freiheit“, der eine Desertion als Akt der Freiheit beschreibt, 1952 zum Skandal werden wird: Wer vom verbrecherischen Krieg desertierte und damit auch den Holocaust verkürzte, wird in Westdeutschland auch nach 1945 noch lange als „Kameradenschwein“ und „Vaterlandsverräter“ gelten.

Tatsächlich werden bei der Befreiung Berlins vom Faschismus bis zum 2. Mai auf beiden Seiten noch einmal 170.000 Soldaten und mehrere Zehntausend Zivilistinnen und Zivilisten getötet werden. Eine halbe Million Soldaten wird verwundet. „Noch hätte man“, erinnert sich der Oberbefehlshaber der 8. Gardearmee der Roten Armee, W.I. Tschuikow, „das Leben Hunderter, Tausender, ja Zehntausender junger deutscher Soldaten retten können, die das Schicksal in dem langen und für sie ausweglosen Krieg bisher verschont hatte. Auf der einen Waagschale lag das Leben Hunderttausender Deutscher, die Zerstörung weiterer Städte, auf der anderen das Leben einiger Abenteurer (…)“.

Die Aufforderungen der Roten Armee aus Lautsprechern und auf Flugblättern, sich in die Kriegsgefangenschaft zu begeben, verhallen jedoch zumeist. Die staatliche Propaganda sowie die „fliegenden Standgerichte“, die der Reichsjustizminister Thierack am 15. Februar angeordnet hat, leisten ganze Arbeit. „Seht diese Hüte von Besiegten! Und/ Nicht als man sie vom Kopf uns schlug zuletzt/ War unsrer bittern Niederlage Stund./ Sie war, als wir sie folgsam aufgesetzt“, dichtet später Bertolt Brecht.

Konkret schließt die Rote Armee mit rund 2,5 Millionen Soldaten, 6250 Panzern, 7500 Flugzeugen und 41.600 Artilleriegeschützen einen Kessel um Berlin und seine 750.000 kämpfenden Einheiten. An der Oder soll alle drei Meter ein Artilleriegeschoss gestanden haben, heißt es später. Allein am ersten Tag der Berlin-Offensive feuert die Rote Armee an den Seelower Höhen nach Angaben des Marschalls Georgi K. Schukow 1,24 Millionen Artilleriegeschosse ab und gehen „98.000 Tonnen Metall auf den Gegner nieder“. Mit Hilfe ist in Berlin nicht zu rechnen: An der Westfront ist die Heeresgruppe B im Ruhrgebiet eingekesselt worden. Sie wird sich bis zum 17. April ergeben. Wien ist bereits am 13. April von der Roten Armee befreit worden und am 19. April werden US-Truppen Leipzig und Chemnitz befreien. Auch die Schlacht um Berlin ist schon verloren, bevor sie überhaupt beginnt. Jedoch: „Das auszusprechen, hatte bisher jedem die Hinrichtung eingebracht“, schreibt später Plivier.

Um das unvermeidliche Ende hinauszuzögern, haben die Nazis die Furcht vor den Menschen aus Russland geschürt, obwohl es Deutsche waren, die in ihrer Heimat einen barbarischen Vernichtungskrieg geführt und die im „Generalplan Ost“ die Dezimierung der östlichen Bevölkerungen um 30 Millionen Menschen durch systematische Ermordung, Verhungernlassen und Vertreibung geplant haben. Die Ausstellung „Das Sowjet-Paradies“ der NSDAP-Reichspropagandaleitung, die der mutige Brandanschlag der jüdisch-kommunistischen Widerstandsgruppe um Marianne und Herbert Baum nicht verhindern konnte, haben im Mai/Juni 1942 nach offiziellen Angaben 1,3 Millionen Menschen besucht. Zum Kriegsende sollten die Versprechungen der „Wunderwaffe“ das Volk bei der Stange halten.

Als russische, ukrainische, belarussische, georgische, kasachische Soldaten usw. nun erstmalig deutschen Boden betraten, erzählte man der deutschen Bevölkerung, dass dies kein Vorbote der unvermeidlichen Niederlage, sondern eine Falle sei, den Feind aufs eigene Territorium zu locken, um dann zuzuschlagen. Berichte über Gräueltaten im erst eroberten und dann rückeroberten ostpreußischen Nemmersdorf, die erst ein halbes Jahrhundert später die akribische Archivrecherche von Bernhard Fisch in „Nemmersdorf, Oktober 1944“ richtigstellen werden, dienen dazu, Panik vor den Russen zu schüren: „Siegen oder Sibirien“ ist die Parole.

„Die Horrorgeschichten über die Rote Armee“, schreibt der Historiker Florian Huber in „Versprich mir, Kind, dass du dich erschießt“, verbreiten „eine Atmosphäre der Furcht (…), dass nach ihrem Sieg die Alliierten das deutsche Volk auslöschen“ werden. In einigen Ortschaften wie im vorpommerschen Demmin wird dies zu Kriegsende zu einem Massenselbstmord führen. Mütter werden unter anderem ihre eigenen Kinder Steine an die Füße binden und sie ertränken. Während seiner Sportpalastrede vom 18. Februar 1943, wenige Wochen nach Stalingrad, haben die handverlesenen 15.000 Nazi-Zuschauer dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels zugejubelt, als er – vor dem Banner „Totaler Krieg – kürzester Krieg“ stehend – fragte: „Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt vorstellen können?“ Total und radikal – anders lässt sich das, was Berlin nun erwartet, nicht beschreiben.

In seiner Rede hat Goebbels anschließend im üblichen rassistisch-antikommunistischen Tonfall vor dem „Ansturm der Steppe“, der „Grauen erregenden geschichtlichen Gefahr“, die „alle bisherigen Gefahren des Abendlandes weit in den Schatten stellt“, gewarnt. Hinter den roten Armeesoldaten „sehen wir schon die jüdischen Liquidationskommandos“ und hinter diesen würde sich „der Terror, das Gespenst des Millionenhungers und einer vollkommenen europäischen Anarchie“ erheben.

So präpariert geht Hitlerdeutschland in die Schlacht um Berlin. „Nur die Angst, daß der Russe immer näher rückt, wird von Tag zu Tag größer“, notiert die Lichtenbergerin Ursula Spaltowsky in ihr Tagebuch. „Man erzählt uns die tollsten Sachen über die Russen. Demnach wird kein Mensch diesen Einfall überleben (…). Das Radio posaunt Freiheitslieder in die Welt (…)“.

Aber die wenigsten wollen kämpfen. „Die Parteigenossen werden immer frecher“, schreibt Spaltowsky am 19. April. „Wer sich den Befehlen widersetzt, wird erschossen. Täglich stehen Namen von Soldaten und Offizieren an den Hauswänden oder Litfaßsäulen, die nicht mehr mitmachen wollten (…). Noch immer predigt man vom Sieg und der Gerechtigkeit usw. Uns kommt das zum Halse raus (…)“.

Zum Hitler-Geburtstag am 20. April, den Hitler und Goebbels mit seiner Familie im Führerbunker unter Tage verbringen, durchbricht – nach vier Tagen Offensive mit 50.000 toten Soldaten (38.000 davon auf russischer und polnische Seite) – die Rote Armee den äußeren Verteidigungsring und befreit den Militärstützpunkt Strausberg sowie Altlandsberg und – wie im autobiografischen und wohl besten deutschen (Anti-)Kriegsfilm „Ich war neunzehn“ des deutschen Exilanten, Rotarmisten und Defa-Regisseurs Konrad Wolf zu sehen – Bernau. Zeitgleich fliegen 1000 angloamerikanische Bomber außer Reichweite der deutschen Flak-Geschütze einen zweistündigen Angriff auf Berlin und lassen „Berlin wie betäubt, still und zerstört zurück“, wie der britische Historiker Tony Le Tissier schreibt.

Zu diesem Zeitpunkt ordnet Hitler den „Fall Clausewitz“ an, der neben der Evakuierung der Regierungs-, Wehrmachts- und SS-Dienststellen die Vernichtung von Beweismaterialien – Akten, Schriftstücke, Urkunden – vorsieht. Einen Tag später nimmt die Rote Armee das Oberkommando des Heeres in Zossen aus, während zugleich andere Truppenteile um 12 Uhr mittags in Malchow erstmals die Stadtgrenze überschreiten und sich dann gegen Hohenschönhausen, Marzahn und Hönow wenden, während andere Einheiten bereits Weißensee erreichen und wieder andere am Haus Landsberger Allee 563 „Na Berlin – Pobeda“ („Nach Berlin – Sieg“) an die Fassade schreiben. Auch hissen Rotarmisten am Abend des 21. April am Turm der Marzahner Dorfkirche die erste rote Fahne.

Ingar Solty ist Autor und lebt in Berlin. Im Frühling erscheint sein neues Buch „Der postliberale Kapitalismus: Renationalisierung – Krise – Krieg“.

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Über stasifolteropferadamlauks

I am 74 Years old and I I am victim of torture in STASI-Prison in former GDR 1982-1985 still witouth Status of tortured person. I never reached Justice and satisfaction by Germany´s goverment after 42 Years injustice ! I am fighting for the implementation § TORTURE in Germany´s national low.
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