Deutschland – Deine Kinder – Schaut auf diesen OFFENEN BRIEF … viele werden sich darin erkennen…


Heimerziehung: Arbeit macht frei!

doccumenta | 18. Mai 2013, 09:12 Uhr

Sehr geehrte Frau Ministerin Schröder! Als Zuständige für die Umsetzung des Fonds für ehemalige Heimzöglinge will ich Ihnen ein paar Zeilen schreiben. Das tut wohl schon deswegen Not, weil der Fond die Umsetzung als Erfolg in den Medien feiert. Als Betroffener habe ich also instinktiv gezögert, einen solchen Antrag zu stellen. Hätten Sie mich am Anfang meiner Antragstellung am 6.4.2012 gefragt, hätte ich Ihnen nicht genau antworten können, warum, jetzt nach über einem Jahr Antragslaufzeit weiß ich es.

Offener Brief an die Verantwortliche der Umsetzung des Fonds für Ehemalige Heimkinder, Familienministerin Kristina Schröder.
Freitag, 17. Mai 2013

Sehr geehrte Frau Ministerin Schröder!
Als Zuständige für die Umsetzung des Fonds für ehemalige Heimzöglinge will ich Ihnen ein paar Zeilen schreiben. Das tut wohl schon deswegen Not, weil der Fond die Umsetzung als Erfolg in den Medien feiert.
Als Betroffener habe ich also instinktiv gezögert, einen solchen Antrag zu stellen. Hätten Sie mich am Anfang meiner Antragstellung am 6.4.2012 gefragt, hätte ich Ihnen nicht genau antworten können, warum, jetzt nach über einem Jahr Antragslaufzeit weiß ich es.
Das Ganze ist bürokratisch zu lang und versetzt mich in jene Ohnmachtssituationen wie ich sie in der Heimzeit permanent erlebt habe, wie ich sie überhaupt mit dem Staat erlebt habe.

Lassen sie mich Ihnen ein paar Sätze aus meiner Geschichte erzählen.
Im Juni 1945 wurde ich drei Monate nach meiner Geburt über eine wilde Vertreibung aus der CSSR vertrieben. Eine noch heute sichtbare Schädelverletzung könnte daher rühren, auch die Bettnässerei.
Die Geschichte gibt aber die Wahrheit nicht frei.
Seiher bin ich jedoch immer in innerer Unruhe.
Meine einzige Heimat bin ich selbst.

Mit 8 Jahren holte mich meine Mutter von der Großmutter weg aus der Ostzone vom Bauernhof in den „Goldenen Westen“ in eine Neunquadratmetermansarde ohne Klo zu meinem Vater, den ich bis dahin nie gesehen hatte. Die Bürger unter uns lebten auf Neunzig Quadratmeter und weil meine Kleidung zwar ordentlich, aber häufig geflickt war, wurde ich bald „kleiner Jüd“ gerufen.
Was ich selbst übrigens gar nicht verstand.
Als ich elf Jahre alt war, erfuhr ich, dass mein Vater gar nicht mein Vater ist und der mich auch nie wollte. Ich fühlte mich von der Mutter betrogen.
Also packte ich ein Bündel, hängte es über einem Stock über die Schulter und wartete unter einem Hinweisschild Erfurt auf jemand der mich mitnahm.
Die Polizei tat das regelmäßig.
Und der Stiefvater verprügelte mich mit einem eisernen Teppichklopfer genauso regelmäßig für die Schande die ich bereitete.
Ich ließ mich nicht beeindrucken und als ich so um die Fünfzehn Jahre war, stahl ich Mopeds um Richtung Mitteldeutschland zu entkommen, weg von diesem ungeliebten Ort.
Man verurteilte mich zu Jugendgefängnis, vier Wochen, weil ich fremdes Eigentum haben wollte, was natürlich gar nicht stimmte, ich wollte keinen Besitz, ich wollte den Ort wechseln.

Meine nächste Flucht jedenfalls gelang, ich kam bis Hamburg, wollte von dort zur See fahren, aber das Jugendamt hatte besseres mit mir vor, das Jugendamt das übrigens mein Vormund war, was ich bis dato, also bis zur Einsicht meiner Heimakte, gar nicht wusste, aber ich war ja ein „Unehelicher“ vom Vater Staat zu Überwachender.
Man verbrachte mich also in das Erziehungsheim Idstein Kalmenhof. Ich will Sie also nicht damit aufhalten zu schildern, wenn man dem Stubenstärksten nicht seinen Quark gab, das dies Folgen mit blauen Augen oder dicken Lippen haben konnte.
Für den Drill sorgte das SA Personal das nunmehr demokratisch geläutert als Erzieher arbeitete.
Doch, die Erziehungsgespräche sollte ich Ihnen schildert. Sie wurden in einen Raum gerufen, der Erzieher, ein bekannter Boxer der NS Zeit schloss ab, ging zu einem Schrank, nahm zwei paar Boxhandschuh raus, 12 Unzen für den Zögling, 6 Unzen für den Erzieher und dann durfte man sich wehren um mannhaft zu werden.
Das war die Moderne.
Ich will Ihnen die Folgen eines Leberhakens nicht schildern, Sie würden es ohnehin nie begreifen.

In medias res.
Man teilte mich zu einer sitzenden Arbeit ein für eine Elektrofirma. Aber ich konnte nicht stillsitzen. Schon seit der Kindheit renne ich immer viel.
Ob Sie es glauben oder nicht, ich verweigerte die Arbeit.
Ein schwerer Fehler.
In meiner Akte ist zu lesen, dass man bei mir zu härteren Maßnahmen greifen musste und ich auch mehrfach in der geschlossenen isoliert werden musste.
Das klingt ganz „neutral“ wie „starb an einem Herztot“.
Lassen Sie mich Ihnen einmal schildern, wie es weiter ging.
Der Erziehungsleiter Braun verurteilte mich dazu, im Keller über meinen Trotz nachzudenken bis ich zur „Vernunft“ käme und „freiwillig“ die mir zugewiesene Arbeit verrichten würden.
Und dann brachten mich zwei dieser geläuterten SA Männer mit zwei Heimkapos in den Keller.
Ich selbst dachte, ich müsse jetzt ein paar Stunden auf einer Kartoffelkiste ausharren. Eigentlich lachte ich schon innerlich.
Aber dann musste ich mich, es war schon Ende September vor einem Raum bis auf die Unterhose ausziehen.
Eine schwere fensterlose Holztür wurde geöffnet.
Los da rein, sagte einer der Erzieher, die Kapos kicherten, los da rein – sei froh, dass der Führer nicht mehr lebt.
Ich muss ehrlich gestehen, ich verstand gar nichts, denn meine Mutter ist Tschechin und die Deutsche Geschichte war nie so unser Thema. Manchmal rief sie nur, wenn sich der Stiefvater vor den Nachbarn duckte: Deutscher Schleim.
Und dann wurde ich in den Raum gestoßen.
Die Tür schlug zu.
Der Raum war fensterlos.
Es war absolut dunkel. (Es empfhielt sich hier, da einmal nachzumachen, wenn es auch nur für eine Viertelstunde ist.)
Ein T 34 Raum, wie man munkelte, zur Abschreckung, obwohl man gar nicht richtig wusste, was das eigentlich war, aber Hauptsache die Abschreckung funktionierte.
Natürlich ist es völlig unsinnig, Ihnen vermitteln zu wollen, was dort mit einem passiert, aber soviel könne Sie vielleicht mitvollziehen: ich fand die Tür nicht mehr.
Ich musste zu Kreuze kriechen, ich musste auf die Erde runter. Es hätte auch irgendwo ein Loch im Boden sein können, in das man stürzte, wer konnte das schon in der Dunkelheit wissen.
Und ich schrie so lange nach meiner Mutter, bis ich wütend wurde.
Ich will Ihnen die wechselnden Prozesse ersparen, nach einiger Zeit rettete mich das frieren am Boden und ich war ausschließlich mit Wimmern und Zittern beschäftigt und in Abständen ging die Tür auf, in welchen weiß ich nicht, die Kapos warfen mir eine Decke rein, drückten mir einen Kanten mit trocken Brot in die Hand und eine Blechkanne mit Wasser, nachdem ich zuvor meine Notdurft verrichten konnte.
Ich wurde nach meiner Arbeitswilligkeit gefragt und ich beschimpfte sie: Nazischweine.
Immerhin hatte ich ja Mittelschulniveau.
Sie werden es nicht glauben, ich habe so lange ein Lied gesungen, bis ich es nur noch krächzen konnte: Ik hab mol nen Hamburger Feermaster sehn – to my hoiday. Und glauben Sie nicht, die Dunkelheit sei absolut dunkel, nein lila Schwaden ziehen immer in derselben Richtung durch den Raum, auch Lichtexplosionen finden statt, galaktische und ich sah weiße Elefanten fliegen.
Nach drei Tagen versprach ich alles.

Und nun wurde ich belohnt. Ich durfte zur Feldarbeit, von Morgens fünf bis Abends 7. Und ich bekam zur Belohnung ein dickes Wurstbrot.
Hausgemacht.

Bei der nächstbesten Gelegenheit flüchtete ich.
Aber in meinem Drillich – und die umliegenden Bauern jagten mit.
Einen Tag später hatte man mich wieder und wenn man es länger schaffte, ging das ohne klauen ja nicht und man kam dann ins Jugendgefängnis und bewahrte sich vor dem Moor, denn alle hatten sie Angst vor dem Moor.
Torf stechen.
Gut also, ich kam wieder einen Tag und eine Nacht in den Keller und dann wieder in den Schlafsaal.
Und nachts werden Sie dann aus dem Bett gerissen, von ihren Leidensgenossen, denn durch meine Flucht wurden alle bestraft.
Und dann musste ich Spalier laufen.
Das hatten die wohl von der Störtebekermähr.
Sie bildeten also ein Spalier, zehn links, zehn rechts und man musste so schnell als möglich durchkommen, um so wenig wie möglich Schläge mit den schweren Lederschlappen abzubekommen und wenn es gelang, sie zum stürzen zu bekommen, waren sie schlecht dran. Und ob sie es glauben oder nicht, die Leuten kamen dann in einen Rausch und es konnte so grölend exstatisch werden, dass die Erzieher eingriffen, damit man nicht totgeschlagen würde.
Wir hatten ja schon das Grundgesetz.

Sie dürfen mir das abnehmen: Ich hatte Todesangst.
Seither vermeide ich Menschenansammlungen.
Ich traue denen alles zu.

Warum schreibe ich Ihnen das alles!?
Ich werde Sie als Verantwortliche für den Heimfond anzeigen. Durch diese langen Wartezeiten in der Umsetzung des Fonds setzen Sie bürokratisch viele Menschen zurück in menschenrechtsverletzende Erlebnisse und erinnern mich, an unglaubliche Verfassungsbrüche, die der Staat begangen hat und Sie erinnern mich an eine Aussage der Vorsitzenden des Runden Tisches, Antje Vollmer, die da gönnerhaft sagte: wir, die Geschädigten, könnten nun endlich über unser Leid sprechen.

Sie werden sicher verstehen, dass ich nicht über mein Leid zu spreche gedenke. Wir müssen darüber sprechen, was willige Helfer im Namen des Staates – nicht der Kirche – des Staates verfassungsbrechend verübt haben und wir sollten auch nicht im Schnulzensinne „Alle haben weggeschaut“ (Unsere Arbeitskolonnen waren für jedermann sichtbar) sprechen, sondern alle haben mitgemacht, denn wir waren ein wirtschaftlicher Faktor für das Bruttosozialprodukt zum Nulltarif.
Wir sprechen von Verbrechen des Staates.
Lassen Sie mich Ihnen zum Schluss noch sagen, der dem Fond zugrunde liegende Fragebogen ist ein empirischer Dreck. Die Grundausrichtung der Erziehungsheime war „Arbeit macht frei.“
Unter Willensbruch wurde das durchgesetzt.
Um einen Steuerzahler heranzuzüchten.
Die Bürokratische Umsetzung Ihres Fonds erinnert mich an die Beamten der Reichsbahn, die die Sonderzüge nach Auschwitz bereite stellten.
Dass nun viel durch Ihre Bürokratie noch mal die Zugfahrt erleben müssen, grenzt an ein Verbrechen.

Karl Heinz Nagel

Über stasifolteropferadamlauks

I am 66 Years old and I do promote acommodations on the adriatic´s sea beaches for holiday in apartments close to the sea-close to the mediteranian beauty. I am still victim of torture in STASI-Prison 1982-1985. I never reacht Justice and satisfaction by Germany´s goverment after 30 Years ! I am fighting for the implementation of § TORTURE in Germany´s low.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s